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GÄNSESCHNATTERN UND HERBSTGEMÜSE


14.OKTOBER 2022

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Auch am heutigen Tag des Eies steht wieder eine Landpartie an. Es ist Freitagnachmittag und wir stehen für alle Wettereventualitäten, mit Gummistiefeln unter dem Arm in Floridsdorf und schauen zu, wie langsam doch die Sonne hinter den Wolken hervorkommt. Erste Schichten müssen bereits in den Rucksack gestopft werden bevor wir in den Bus steigen, aber darüber ist kaum jemand böse.

Unsere Busfahrt geht diesmal doch ein Stück auswärts, ins Weinviertel – genauer nach Göllersdorf – wo wir zwei benachbarte Biobetriebe besuchen werden. Der Weg dort hin wird von Kornelia Zipper mit interessanten Infos zur Gans in Österreich gefüllt und so vergehen 40 Minuten wie im Flug.

 

BIOHOF RIEDL, Porrau 51

Beim Biohof Riedl sehen die Fakten etwas anders aus. Hier werden im Jahr um die 250 Weidegänse aufgezogen, die nicht nur hier aufwachsen, sondern auch aus einer österreichischen Zucht stammen. Seit 6 Jahren ist der Betrieb Bio und hält neben den Weidegänsen auch Freilandhühner und -schweine, die wir alle nach der Reihe besuchen werden. Am Hof angekommen begrüßen uns Hermann Riedl und seine Nachbarin Doris Gschladt zusammen mit ihren Familien und in großer Gruppe spazieren wir zu der „Hühner-Weide“. Die Fläche ist eine großzügige Wiese, mit teilweise hohen Gräsern und einem Hühnerstall auf Rädern, der jedes Monat auf eine neue Fläche wandert. Ihre Eier werden sowohl direkt Abhof verkauft und teilweise auch von Marion Aigner-Filz (die wir heute auch noch besuchen) mit auf den Kutschker Markt genommen.

Die Hühner, die während Hermanns Erzählungen um uns streifen, zeigen selbst dann keine Scheu, als ein Huhn nach dem anderen von den Kindern hochgenommen und herumgereicht wird. Die Lebensdauer dieser Hühner beträgt zwischen 14 und 16 Monate, danach werden sie als Suppenhuhn verkauft. Die Schlachtung findet, genau wie bei den Gänsen und Enten, direkt am Hof statt. Hierfür werden die Tiere mit Strom betäubt und anschließend mit einem Stich in die Halsschlagader ausgeblutet, was sich innerhalb einer halben Minute abspielt. Danach werden die Federn entfernt, was bei den Gänsen und Enten mehrere Arbeitsschritte braucht aufgrund ihres dichteren Federkleids. Abschließend werden sie noch ausgenommen und für den Verkauf verpackt.

Ein etwas größerer Faktencheck ...

Anders als das Huhn, ist die Gans bei uns fast nur einmal im Jahr auf der Speisekarte: als „Martinigansl“. Ganze 600.000 Gänse werden hierfür in Österreich verspeist, wovon aber nur 28% auch von hier kommen. Zum Vergleich: Masthühner werden 100 Millionen im Jahr geschlachtet. Die Gänse kommen hauptsächlich aus Ländern wie Ungarn oder Polen, hier ist außerdem Lebendrupfen und das Stopfen von Gänsen noch erlaubt, was bedeutet das 480 Tausend bei uns verspeiste Gänse dieses Schicksal wahrscheinlich hinter sich hatten. Was man dagegen tun kann? Am besten sich erkundigen woher das Martini- oder Weihnachtsgansl kommt – und nur Gänse aus Österreich essen!

Bevor wir uns die Räumlichkeiten dazu anschauen, wandern wir an den Freilandschweinen vorbei, die uns im Schweins-Galopp entgegenkommen, in der Hoffnung ein paar Grasbüschel von uns abzustauben. Hinter den Schweinen geht es dann ein Stück den Feldern entlang, bis wir bei den Hauptakteuren des Nachmittags ankommen: die Eskildsen-Weidegänse. Die nicht ganz so zahmen Federfreunde begrüßen uns mit einem aufgeregten Geschnatter, während Doris uns etwas mehr zu der österreichischen Weidegans erzählt. Sie selbst hat auch einen Weidegänsebetrieb einige Kilometer entfernt und ist Obfrau des Vereins „Weinviertler Weidegänse“. Weiden dürfen die Gänse hier wirklich uneingeschränkt, daher muss auch eine Fläche von 100 m² pro Tier gerechnet werden, da ihnen sonst das Gras nach der Zeit ausgehen würde, denn eine Gans frisst pro Tag um einen Kilo Gras!

Die Gössel (Gänseküken) kommen im Frühjahr von einem gemeinsamen Zuchtbetrieb zu Doris und Hermann, wo sie noch in einem 28-30 Grad warmen Stall bleiben und über einen Zeitraum von drei Wochen langsam an die kühleren Temperaturen draußen gewöhnt werden. Von da an sind sie durchgehend draußen, wobei Räuber hier kein Problem darstellen, bis dann im Oktober/November die Schlachtung ansteht. Zum Vergleich: bei einem konventionellen Betrieb sind die Gänse nach 4 Wochen schlachtreif. Auch die Schlachträumlichkeiten schauen wir uns jetzt noch an, um dann in einem Schwung wieder zurück zum Hof zu kommen, wo uns eine warme Hühnersuppe mit Nudeln und Eiaufstrich-Broten und Speck erwarten.

Noch schnell ein Abstecher in den Selbstbedienungs-hofladen, ein kleines Stamperl Eierlikör und wir marschieren schon weiter zum Biohof zum grünen Baum.

Fotos: ÖKL

BIOHOF ZUM GRÜNEN BAUM, Porrau 49

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir spazieren ein Stück bergauf, an einem mit Blumen dekorierten „Herzlich Willkommen“-Schild vorbei, wo uns Marion bereits mit vollen Händen entgegenkommt. Es ist geradezu idyllisch, wie die letzten Sonnenstrahlen noch über den Feldern liegen und die bunten Staudenbeete und Blumenweiden in abendliches Licht tauchen. Marion erzählt uns über die Geschichte des Hofs, der ein altes Gasthaus ihrer Eltern war und sie nun seit 30 Jahren biologisches Gemüse darauf anbaut. Sie besitzt ebenfalls einen Hofladen, der nicht nur das Gemüseherz höherschlagen lässt. Hinter einer Theke stapeln sich geradezu die unterschiedlichen Kuchenbleche, die mich ärgerlich machen, das Bargeld daheim vergessen zu haben.

Nach dem Einkauf geht es auf das Feld hinaus, hier graben wir Ingwerwurzeln, Süßkartoffeln und Pastinaken aus, während es langsamer dunkel wird. Das meiste wächst hier im Freiland, aber auch vier Folientunnel stehen auf den insgesamt 3 ha, die für den Hof zum Grünen Baum in kleinstrukturierter Landwirtschaft bearbeitet werden. Zwar würde die Familie insgesamt 10 ha besitzen, doch werden die unter anderem auch an „Krautwerk“ verpachtet. Zusätzlich entsteht neben den Feldflächen auch gerade ein neues Projekt, dass April 2023 auch fertig gestellt werden soll: Urlaub am Bauernhof, den Rohbau können wir jetzt schon betrachten und dazu die Hoffnung von Marion, in Zukunft hier auch eine Art Treffpunkt kreieren zu können, da in der ganzen Gemeinde nicht eine Gaststätte vorhanden ist. 

Zum gemütlichen Abschluss kehren wir noch in ihre Gemeinschaftsräumlichkeiten ein, wo es noch einen Süßkartoffeleintopf (mit Bananen!), Reis und eine köstliche Suppe zum Wohlfühlen gibt und damit keine Wünsche mehr offenbleiben können, dürfen wir anschließend noch eine Auswahl von Weinen des Bioweinguts Hörmann verkosten! Mit vollen Bäuchen und Einkaufstaschen wandern wir wieder zurück zu unserem Bus, der uns ins spätabendliche Wien zurückführt.

AfterWork Gänseschnattern & Herbstgemüse_221014 (19).jpg

Fotos: ÖKL