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Ackern & Gackern – Von Vorstadthühnern, Getreidevielfalt und Wiener Kürbiskernöl

28. Juli 2021

Am letzten Mittwoch (!) im Juli fand sich die AfterWork-Partie direkt am Prentlhof im Zehnten Wiener Bezirk ein, um zu schauen, was eine Wiener Landwirtschaft zu bieten hat.

Nach der Begrüßung der 20köpfigen Gruppe brachte Projektleiterin Kornelia Zipper einige Zahlen. Von den 162.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Österreich liegen immerhin rund 700 in der Großstadt Wien, das sind Großteils Gemüse-, Ackerbauern und Winzer, die Tierhaltung ist in einer Großstadt eher vernachlässigbar. Nicht so am Prentlhof – aber dazu später!

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Pro Jahr legen österreichische Hennen zwei Milliarden Eier, klingt ziemlich viel, die Selbstversorgung beträgt aktuell jedoch nur ca. 86 Prozent. Pro Jahr isst die Österreicherin bzw. der Österreicher durchschnittlich 240 Eier. Die Haltungsformen bei uns sind die Freilandhaltung (24 %), die Bodenhaltung (64 %) und die biologische Freilandhaltung (12 %). Käfighaltung ist in Österreich seit ca. 13 Jahren verboten.

Die Jungbäuerin Katharina Mühlparzer und ihr Lebensgefährte Markus Sandbichler begrüßten nach dieser kurzen Einführung die AfterWork-Gruppe ebenfalls herzlich und luden uns auch gleich zu Vollkornweckerl mit Ei- und Kürbiskernaufstrich, Kaffee und Biskuitroulade ein. Katharina „gehören“ die Vorstadthühner und die Pferde, die Direktvermarktung und der Bereich Schule am Bauernhof (jährlich kommen bis zu 4.000 Kinder auf den Hof!). Markus ist der Ackerbauer. Er hat den Betrieb 2007 von seinen Eltern übernommen, insgesamt wird der Hof schon seit sechs Generationen geführt, erbaut wurde er im frühen 18. Jahrhundert. Seit 2016 führen Katharina und Markus den Hof gemeinsam.

Führung in die „Sala pinta“

Die erste Station war im ersten Stock – straßenseitig – des alten Gebäudes. Ungewöhnlich für einen AfterWork-Ausflug, aber dieses Juwel aus dem Spätbarock mitten in Unterlaa darf man sich nicht entgehen lassen. Der denkmalgeschützte schön bemalte Saal diente lange Zeit als Getreidelager. Heute steht er leider leer, denn aufgrund der Statik darf er von maximal 8 Personen betreten werden.

Spaziergang zu den Äckern

Dann begaben wir uns mit Markus zu den Äckern in der direkten Umgebung (insgesamt bewirtschaftet Markus Sandbichler 67 ha biologisch). Ein wichtiges Thema ist immer das Pflügen. Nachdem in der nahen Vergangenheit ca. 10 Jahre gar nicht gepflügt wurde, ist Markus wieder dazu übergegangen, den Pflug einzusetzen, aber nur alle drei Jahre - versetzt auf den Flächen. Z.B. gegen die Ackerdistel hilft diese Methode gut, durch den „Sturz“ der Erde kann das Wachstum dieses Wurzelunkrautes im biologischen Landbau gut verhindert werden. Wir kamen an abgeernteten Getreidestoppelfeldern, an Kichererbsen, an Rüben, Ölkürbissen, Soja und Sonnenblumen vorbei und von weitem sahen wir gelb leuchtenden Fenchel, der für „Sonnentor“ angebaut wird und v.a. für verschiedene Teemischungen verwendet wird.

Eine ausgeklügelte Fruchtfolge und gut ausgewählte Zwischenfrüchte sind wichtig, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, das Austrocknen hintanzuhalten und die Stickstoffzufuhr in den Boden zu gewährleisten, denn Leguminosen, wie Klee oder Luzerne, aber auch viele andere, können Stickstoff aus der Luft binden.

Mobile Hühnerställe

Dann näherten wir uns schon den beiden mobilen Hühnerställen, in denen jeweils 350 Legehennen gackern und die ihren großzügigen Auslauf – u.a. mit Mohn bepflanzt - rundherum genießen können. Die Hennen sind aus der „Lohmann Braun-Linie“ und legen hellbraune Eier. Mit 18 Wochen kommen die jungen Hennen – praktisch im Teenager-Alter – auf den Hof in Unterlaa, ab der 20. Lebenswoche geht’s dann los mit dem Eierlegen in die großen Nester mit Dinkelstreu. Von dort werden sie abgenommen, auch wir durften das machen! Das war ein echtes Highlight! Nach ca. einem Jahr gehen die Prentlhof-Hennen an „Waldland“, wo sie geschlachtet und als Suppenhuhn vermarktet werden.

Die mobilen Hühnerställe können mit einem Anhänger bewegt und so versetzt werden, dass der Auslauf wieder „frisch“, also bewachsen ist und sich die Bodenbereiche auch wieder erholen können.

Fotos: Karl Nachtnebel, ÖKL

Nudeljause

In der Zwischenzeit braute sich ein gewaltiger dunkelgrauer Wolkenberg zusammen und kaum waren wir wieder am Hof, brach das Gewitter los! Während der Wind fegte und der Regen draußen prasselte, bekamen wir hofeigene, herrlich gelbe Nudeln mit Paradeisersugo und ein Glas Weißwein serviert. Und zum Nachtisch vorzüglichen Rumkuchen!

„Neigungsgruppen“ Hofladen und Maschinenhalle

Nach dem Nudelgenuss teilte sich die AfterWork-Partie in die Gruppen Hofladen und Maschinenhalle.

Der Hofladen ist als Automatenladen konzipiert, es gibt Eier, Nudeln, und Öle aus eigener Produktion und zusätzlich Säfte, Gewürze und Eingelegtes von befreundeten Betrieben. Katharina erklärte uns den modernen Automaten, wo man rund um die Uhr und auch mit Bankomatkarte einkaufen kann.

Die andere Gruppe besichtigte inzwischen den landwirtschaftlichen Fuhrpark in der Maschinenhalle, Markus zeigte und erklärte den Technikinteressierten die beiden Traktoren, die Sämaschine und die Kurzscheibenegge mit Walze, die nach der Ernte die Ernterückstände zerschneidet und den Boden aufbereitet. Auf dem Ackerspaziergang zuvor hatten wir schon den Pflug und den Striegel gesehen, ebenfalls Geräte zur Bodenaufbereitung.

Am Ende des Ausflugs kam die Gruppe noch einmal zusammen, weitere Fragen wurden beantwortet und Katharina und Markus erzählten noch viel über ihren Hofalltag. Nach ein paar schönen Abschlussfotos verabschiedeten wir uns mit Applaus und gingen beladen mit Nudeln, Eiern und Ölen zufrieden nach Hause.

https://www.prentlhof.at/

Bericht: Eva-Maria Munduch-Bader

Fotos: Karl Nachtnebel, ÖKL

Fotos: Karl Nachtnebel, ÖKL