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Hautnahes Tiererlebnis am 3er Hof und Superfood am Schauphof
Freitag 24. September 2021

Treffpunkt Bahnhof Hütteldorf am Freitagnachmittag und los geht’s!

Knapp 20 am Thema Landwirtschaft interessierte Personen steigen in den

Gemeinschaftsbus und brechen auf zu einer AfterWork-Partie am Bauernhof!

Heute geht es im Besonderen um die „Diversifizierung“ in der Landwirtschaft

– also um zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für Bäuerinnen und Bauern

neben der klassischen landwirtschaftlichen Produktion von Lebensmitteln.

Dazu zählen z.B. Urlaub am Bauernhof, Schule am Bauernhof, Green Care usw.

Vorweg im Autobus vermittelt uns Projektleiterin Kornelia Zipper einige Zahlen: Zuletzt konnte noch berichtet werden, dass die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe grob 162.000 beträgt. Nun liegt aber die Zählung 2020 vor, die leider belegt, dass es nur mehr ca. 156.000 Betriebe in Österreich gibt. Jeden Tag schließen zwischen sieben und zehn Bauernhöfe ihre Tore. Wir besuchen heute zwei Betriebe, die ihren Hof mit innovativen Konzepten beleben und erhalten.

Der 3er Hof in Maria Anzbach

Unsere erste Station ist der Green Care-Betrieb von Eva Hieret, der 55 Hektar umfassende 3er-Hof. Eva, die seit 35 Jahren mit ihrer Familie auf diesem Hof lebt und diesen immer weiterentwickelt, begrüßt uns herzlich.

Schule am Bauernhof und Green Care-Angebote sind seit einigen Jahren wichtige Säulen am Biobetrieb. Zuerst zeigt sie uns die hofeigene Backstube, in der von Montag bis Freitag acht Menschen mit Behinderung unter Anleitung Brot und Gebäck herstellen. Alles wird in fürsorglicher Handarbeit gebacken. Grundlage ist die Kooperation mit Jugend am Werk, die bereits seit 2015 besteht. Dieses Green Care Leuchtturmprojekt ist gelebte Inklusion am Bauernhof.

Der große und helle Seminarraum, der große, bunte Garten, die Pferde, Schafe, Hühner und auch der freundliche und gutmütige Hofhund sind für ca. 100 Schulklassen, die pro Jahr den 3er Hof besuchen, ein optimales Ziel, um den Unterricht aufzulockern und viel zu lernen, zu erleben und entdecken. Die Kinder können je nach Jahreszeit viel selber tun, z.B. Erdäpfel ausgraben und Gemüse ernten – und dann wird gekocht und gegessen.

Ein anderes Produkt ist Kompost-Erde (eigentlich 5 verschiedene Kompost-Erden!), die für unterschiedlichste Einsatzgebiete, u.a. speziell für Gemüse, hier erzeugt wird und ab Hof gekauft werden kann.

Vorbei an den zehn Pferden und an einem Pony - gelassen und souverän lassen sich die großen Tiere von uns streicheln und bewundern - geht es dann endlich in den mit viel Stroh ausgelegten Stallbereich zu den zertifizierten Schafen und Hängebauchschweinen. Eva Hieret hat den Zertifikatslehrgang Tiergestützte Intervention am Bauernhof absolviert und schon sehr viele Jahre Erfahrung in der Arbeit mit Tieren und Menschen gesammelt. Hier können z.B. Kinder Ängste abbauen, Ruhe finden, Wärme spüren. Wenn man sich den Tieren langsam nähert, ohne Hektik, ohne zu fordern, wird man mit Neugier und Zuwendung belohnt. Die Tiere sind gut habituiert, sozialisiert und trainiert. Es ist ein einmaliges Erlebnis für die AfterWork-BesucherInnen, sich auf Augenhöhe zu den Tieren ins Stroh zu begeben, in die dicke Wolle zu greifen und sie hinter den Ohren zu kraulen.

Bei einer kleinen Jause mit Gebäck und Brot aus der hauseigenen Backstube mit Aufstrichen und Apfelsaft kann Eva noch viele Fragen beantworten, unterstützt von Theresa Sterkl, die Mitarbeiterin im Green Care-Team der Landwirtschaftskammer Niederösterreich ist. Sie lädt die Anwesenden auch zu AfterWork-Veranstaltungen in NÖ im April des nächsten Jahres ein!

www.3er-hof.at

www.greencare-oe.at/

Und dann geht’s weiter mit dem Bus nach Weitern bei St. Pölten

Schauphof

Im warmen Herbstlicht erwarten uns schon Katharina Schebesta-Ganzberger und ihr Mann Peter am Schauphof. Katharina arbeitet eigentlich 40 Stunden in der Woche in einer Steuerberaterkanzlei – und „nebenbei“ schupft sie mit Unterstützung ihrer Familie den 37 ha umfassenden konventionellen Betrieb. Wir gehen durch die neue Maschinenhalle zum Maisacker, dort steht Körnermais, der bald gedroschen und als Futter für Schweine verwendet wird. Katharina hat den Hof erst vor kurzem mit ihrer Mutter übernommen, sie überlegt, auf biologische Wirtschaftsweise umzustellen …

aber eines nach den anderen …

Wir gehen durch den schönen Bauerngarten mit Blumen und Gemüse, wo wir auch die Großmutter kennenlernen, die sich mit viel Liebe um das Gedeihen von Salat, Beeren, Gemüse etc. kümmert.

Dann sehen wir schon die fünf Alpakas! Sie sind seit vorigem Jahr am Hof und schauen uns neugierig und auch ein wenig skeptisch an. Ein weißes und vier braune Tiere, mit aufrechtem Gang und hoch erhobenem Kopf. Katharina will sie für Spaziergänge oder kleine Wanderungen (Trekking) einsetzen. Wir erfahren, dass Alpakas eigentlich überhaupt keine „Kuscheltiere“ sind, eher im Gegenteil, sie weichen Berührungen eher aus. Umso „erfreulicher“ kann es für einen Menschen sein, nach vorsichtiger und behutsamer Zuwendung eine Annäherung und einen freundlichen Blick des Tieres zu erfahren. Im nächsten Jahr wird es drei Geburten geben, man nennt die jungen Tiere Fohlen. Gespuckt wird übrigens auch bei den Alpakas (nicht nur bei den größeren Lamas) – das hat aber mit herdeninterner Hierarchie zu tun und nichts mit Ablehnung gegenüber Menschen!

Dann gehen wir hinein in den schönen Innenbereich des Hofes, der fast wie ein Vierkanter anmutet (bei einem echten Vierkanthof, wie wir ihn z.B. im Mostviertel oder im Traunviertel kennen, sind die Dächer rundherum gleich hoch). Hier erzählt uns Katharina dann viel Interessantes über „Superfood“. Darunter versteht man Pflanzen und Pflanzenprodukte mit einem hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen, ungesättigten Fettsäuren etc. Eine geschützte Definition oder vollständige Liste gibt es nicht. Katharina beschäftigt sich aus Interesse schon länger mit Superfood und verteilt an unsere AfterWork-Gruppe einige Blätter mit vielen Informationen, die sie z.T. selbst zusammengestellt hat, – z.B. eine Unterteilung in „Die Grünen“, „Die Beerigen“, „Die Fruchtigen“ und „Die Gehaltvollen“. Endlich dürfen wir probieren: den Aroniasaft (der schon ziemlich „hantig“ schmeckt – aber sehr gesund ist!), die Goji-Beere und Hanfsamen. Die Verkostung geht über in ein wohlschmeckendes Buffet aus Brot, gekochten Erdäpfeln, Butter, Schmalz, Käse, Kräutern, Säften und vieles mehr.

Sehr anregend ist dann der Besuch des Selbstbedienungs-Hofladens, der von 6 bis 21 Uhr an jedem Wochentag geöffnet hat, ausgestattet mit elektronischer Zahlungsmöglichkeit (aber auch bar). Verkauft werden nicht nur hofeigene Produkte, sondern auch Lebensmittel von anderen Betrieben – aus max. 20 km Entfernung. Lustiges und v.a. praktisches Detail: Kleine Kameras übertragen die Ansicht der Regale an die liefernden Bauern, damit diese jederzeit sehen können, ob ein Produkt ausverkauft ist und nachgeschlichtet werden muss.

Als wir uns von der gastfreundlichen Familie verabschieden, ist es schon dunkel, wir steigen in den Bus und fahren – voll von Eindrücken und Geschmackserlebnissen - zurück nach Wien!

https://www.facebook.com/ganzscheregional/

Fotos: ÖKL + Brigitte Macaria

Fotos: ÖKL + Brigitte Macaria