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Gänseschnattern und Herbstgemüse

1. Oktober 2021

Pünktlich um halb drei geht es am Freitag, den 1. Oktober vom Bahnhofsplatz Floridsdorf mit dem Bus los. Die Sonne lacht und Kornelia Zipper, die Projektleiterin von AfterWork am Bauernhof stimmt uns auf der ca. 40minütigen Fahrt nach Göllersdorf im Weinviertel auf das Thema Landwirtschaft ein: Vorweg im Autobus vermittelt sie uns einige Zahlen: Nach der aktuellsten Zählung (von 2020) gibt es derzeit ca. 156.000 landwirtschaftliche Betriebe in Österreich. Diese Anzahl sinkt stetig, jeden Tag schließen zwischen sieben und zehn Bauernhöfe ihre Tore für immer. Ca. ein Viertel der Betriebe wirtschaften biologisch, ca. ein Drittel (nur!) wird im Vollerwerb geführt – das heißt, dass die Betriebe hauptberuflich bewirtschaftet werden und mehr als die Hälfte des Einkommens aus der Landwirtschaft kommt.

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Zum Geflügel: 98 Millionen Masthühner werden in Österreich im Jahr geschlachtet - pro Kopf und Jahr isst jeder und jede von uns ca. 21 kg Geflügelfleisch. Zum Vergleich essen wir ca. 53 kg Schweinefleisch und 18 kg Rindfleisch im Jahr. Wieder zum Vergleich: Wir essen ca. 118 kg Gemüse im Jahr, Tendenz leicht steigend. Der Selbstversorgungs-grad bei Geflügel liegt bei ca. 72 Prozent. Und speziell bei Gänsen? Wir essen ca. 600.000 Gänse im Jahr, v.a. im Herbst zur Martinizeit und zu Weihnachten. Nur ca. ein Viertel davon sind österreichische Tiere, der größte Anteil kommt also aus anderen Ländern, in denen leider Lebendrupf und Stopfen nicht – wie bei uns – verboten sind!!! Es spricht sehr viel dafür, sich zu erkundigen, woher das Martini- oder Weihnachtsgansl kommt! Besonders gut haben es Gänse, die auf der Weide gehalten werden. Wie am ersten Betrieb unserer AfterWork-Partie!

Bio-Gansl-Hof Riedl in Porrau, Göllersdorf

 

Am Bio-Gansl-Hof Riedl in Porrau begrüßen uns Hermann Riedl und seine Nachbarin Doris Gschladt und wir gehen gleich einmal zu den Hühnern. Diese leben auf der Weide und haben selbst gebaute, fahrbare, recht kleine und dadurch besonders mobile Ställe, die oft den Platz wechseln können. Dadurch werden den Tieren alle 3 bis 4 Monate neue Bereiche für die Weide angeboten. Derzeit leben hier ca. 150 Hühner. Die Vermarktung der Bio-Eier läuft über seine Nachbarin Marion Aigner (die wir dann noch besuchen!) am Kutschker Markt in Wien und der Rest ab Hof. Alle Eier werden vorschriftsmäßig gestempelt: 0 = Bio, AT = Österreich, Nr. = Betriebsnummer. Die Küken kommen aus Schlierbach.

Dann gehen wir weiter zu den 180 Weidegänsen, die einen wirklich riesigen Weidebereich mit Unterständen und Wasserversorgung ihr Eigen nennen. Wunderschön sind die weißen Tiere mit den orange leuchtenden Schnäbeln, die kräftig schnattern und immer alle zusammenbleiben!

Doris Gschladt hat ihren Ganserlbetrieb einige Kilometer entfernt. Sie ist die Obfrau des Vereins „Weinviertler Weidegänse“ und hat dementsprechend auch Weidegänse, derzeit sind es ca. 400 Stück. Dieser Verein hat mittler-weile Betriebe in ganz Österreich und hat besonders hohe Ansprüche an die Haltung, u.a. das riesige Platzangebot, das Futter von der Wiese (eine Gans frisst pro Tag ca. 1 kg Gras), zugefüttert wird höchstens ein bisschen Getreide, die Elterntiere der Küken müssen aus Österreich sein. Die Betriebe bekommen die frisch geschlüpften Ganserl als 1-Tages-Küken. Mit ca. 7 Wochen kommen die kleinen Gänschen auf die Weide und da bleiben sie dann ein gutes halbes Jahr. Zum Vergleich: eine konventionell gehaltene Mastgans in Intensivtierhaltung z.B. in Polen oder Ungarn ist nach 4 Wochen (!) schlachtreif.

Nach der Weide wird es ernst und wir besichtigen den Schlachtraum von Hermann Riedl, in dem auch das Geflügel von Doris Gschladt geschlachtet werden. Die Tiere werden zuerst mit einem Stromschlag betäubt, dann wird die Halsschlagader aufgeschnitten und ein großer Teil des Blutes rinnt ab. Dann kommt der Schlachtkörper in den Brüh-kessel bei ca. 63 Grad Celsius und dann in die Rupfmaschine, die sich sehr schnell dreht und in der die Federn mit Noppen vom Tier abgestreift werden. Sehr viel Arbeit ist es danach, händisch nach zu rupfen, damit das Huhn, die Ente oder die Gans so ist, wie man sie selber zur Zubereitung in der Küche haben will. Die Tiere werden dann aus-genommen und für die Verpackung und den Verkauf hergerichtet.

Geschlachtet wird je nach Bestellung, ca. 100 Ganserl in der Woche in der Zeit Oktober bis 20. November, dann ist Schluss für das Jahr. Die nächsten Küken kommen im April nächstes Jahr auf den Hof.

In der schönen noch sehr warmen Herbstsonne bekommen wir einen riesigen Topf mit Hühnersuppe mit Nudeln und Karotten serviert! Und außerdem Platten mit Blutwurst, verschiedenen Specksorten, Presswurst, Schmalz und Aufstriche aus dem Schweinefleisch von Herrn Riedls Schweinen die er seit Kurzem ebenfalls auf einer großen Weide hat. Die ganzjährig im Freien gehaltenen Mutterschweine sind Schwäbisch-Hällische Landschweine und Duroc und der Vater ist Pietrain. Die Mastschweine schlachtet er nicht selbst, aber er verarbeitet sie auf seinem Betrieb und vermarktet sie in seinem Hofladen, in dem wir alle Köstlichkeiten auch für daheim kaufen können.

Als Abschluss gibt es sogar noch ein Stamperl Eierlikör!

http://biohof-riedl.at/

www.familiegschladt.at

www.weidegans.at

Fotos: ÖKL

Biohof zum Grünen Baum in Porrau, Göllersdorf

 

Marion Aigner-Filz holt uns beim Biohof Riedl ab.Wir gehen mit ihr zu Fuß zu einigen Gemüsefeldern gleich in unmittelbarer Nähe. Ausgestattet mit Spaten und Messer gräbt sie für uns Karotten, Superschmelz-Kohlrabi und Yacon-Wurzeln aus, lässt uns probieren und zeigt uns Pastinaken und Fisolen. Die 1000 Pflanzerl der Süßkartoffeln (eigentlich ein Winden-Gewächs) haben in diesem Jahr die Rehe und Hasen gefressen. Marion trägt solche Ausfälle mit erstaunlicher Fassung. Insgesamt gibt es auf ihrem Betrieb 80 Gemüsesorten, da ist sicher für jede und jeden etwas dabei, auch im Winter!

Marion hat vor 29 Jahren das alte Gasthaus ihrer Eltern übernommen und einen kleinen biologisch zertifizierten Betrieb mit Schwerpunkt Gemüsebau daraus gemacht. Sie bewirtschaftet ihre kleinstrukturierte Landwirtschaft mit 3,5 ha fast ausschließlich mithilfe von anderen Frauen und großteils in Handarbeit, ohne eigenen Maschinenpark. Warum ist Biogemüse teurer als konventionelles? Abgesehen davon, dass schon das Saatgut teurer ist, ist es vor allem die viele Handarbeit, die für die Saat, die Pflege, das Entfernen des Unkrautes, die Bewässerung und die Ernte erforderlich ist!

Wir gehen dann zu ihrem Hof und in die dahinterliegenden Folientunnel. Bei wunderbarem Abendrot bewundern wir die noch im Oktober wuchernden Paradeiser, Paprika, Ingwer, Porree, unterschiedliche Kohlarten, Hanf und vieles mehr! Vermarktet wird das schöne Gemüse von Marion und ihren Mitarbeiterinnen direkt ab Hof oder am Markt.

Zum Abschluss können wir im schönen bunten Hofladen einkaufen und werden dann noch mit einem Süßkartoffel-gulasch mit Nachspeise und Weinbegleitung verwöhnt!

Für die Wienerinnen und Wiener: Jeden Samstag kann man am Kutschkermarkt, 1180 Wien die tollen Produkte vom BIOHOF zum GRÜNEN BAUM und vom Biohof RIEDL kaufen!

www.biohofzumgruenenbaum.at

Nach dem Besuch der beiden sehr lebendigen Betriebe, die ihre Höfe mit viel Engagement und Ideen erhalten, steigen wir wieder in den Autobus. Es ist schon finster geworden und wir fahren voll von neuen und schönen Ein-drücken zurück nach Wien. In den Evaluierungsbögen, die alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausfüllen, gibt es

für die Veranstaltung nur Bestnoten! Das freut uns sehr!

Fotos: ÖKL

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