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Vom Korn zum Brot -
mitten in der Großstadt

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Prentlhof, 1100 Wien


Am letzten Tag im Mai treffen wir uns bei strahlendem Sonnenschein bei

der U1 Station Oberlaa und fahren den kurzen Weg hinüber zum Prentlhof,

der schon seit dem frühen 18. Jahrhundert existiert und nun bereits in der

sechsten Generation als landwirtschaftlicher Betrieb geführt wird.

Das Betriebsführerpaar Katharina und Markus, beide haben an der Universität für Bodenkultur studiert, begrüßt die 25köpfige AfterWork am Bauernhof-Partie herzlich, auch die siebente Generation, der kleine Sohn Kilian, ist dabei!
In einer kurzen Einführung erklärt die junge Bäuerin Katharina, dass sie für die rund 700 „Vorstadthühner“ in mobilen Ställen, für die Re
itpädagogik, für die Direktvermarktung am Hof und mittels Automat sowie für die hunderten Kinder, die im Rahmen von Schule am Bauernhof kommen, zuständig ist.
Markus ist der Ackerbauer und der Betriebswirt. Er hat die 70 ha umfassende Landwirtschaft 2007 von seinen Eltern übernommen und auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt, seit 2016 führen Katharina und Markus den Hof gemeinsam. Angebaut wird vor allem Getreide, daneben Öl-Kürbis, Linsen und Öllein (für Vermehrung).
Vor kurzer Zeit wurde die Oberlaaer-Erzeugergemeinschaft für Biogetreide mit dem Ziel gegründet, ein Oberlaaer Biobrot zu kreieren. Bald wurde eine Lagermöglichkeit gefunden, eine Mühle und die Bäckerei Schrott! Damit war das Oberlaaer Bauernbrot geschaffen, oder besser gebacken! Dieses gibt es mittlerweile bei den vier Schrott-Bäckereien in Wien, bei manchen Billa-Filialen, beim Biomarkt auf der Freyung in Wien und bei manchen kleinen lokalen Märkten. Dazu aber später!
Nach einem kurzen Gang durch die Maschinenhalle kommen wir aufs Feld und machen mit Markus einen kleinen Rundgang! Zuerst gehen wir entlang der Getreidefelder, erst konventionell vom Nachbarbetrieb mit den sichtbaren Fahrgassen u.a. für die Düngung und dann entlang der betriebseigenen Bio-Weizen- und Roggenfelder – mit Mohnblumen und Kamille (die leider problematisch werden kann). Markus erklärt uns die Fruchtfolge, die hier gemacht wird: zwei Jahre „aufbauende“ Frucht = Luzerne, die bindet mit den Knöllchenbakterien den Stickstoff aus der Bodenluft, bildet enorm viel Wurzelmasse und geht bis 5 Meter in den Boden hinein. Dann zwei Jahre „zehrende“ Frucht = Weizen, dieser nimmt viel aus dem Boden. Danach folgt ein Jahr eine „abtragende“ Kultur = Roggen.
Ob Weizen sich für Brot oder „nur“ für Futter eignet, ist vom Proteingehalt abhängig. Am Prentlhof wird v.a. Weichweizen für Mehl für Brot und Gebäck, a
ber auch Hartweizen für die Nudelherstellung angebaut. Viele Fragen tauchen auf und werden von Markus ausführlich beantwortet, wie oft ist alles komplizierter als gedacht und eins führt zum anderen …! Wir sprechen über Sommer- und Wintergetreide, über die ganzjährige Bedeckung des Bodens, über die Ackerdistel, über den Pflug, über arrondierte oder nicht arrondierte landwirtschaftliche Flächen, über Bewässerung, über den Kürbis, der in diesem Jahr ausgesetzt wird, weil der Energiebedarf für die Trocknung der Kerne sehr hoch ist etc. etc. etc.
Mobile Hühnerställe
Dann nähern wir uns den beiden mobilen Hühnerställen, in denen jeweils 350 Legehennen gackern und die ihren großzügigen und saftig grünen Auslauf genießen. Die Hennen sind aus der „Lohmann Braun-Linie“ und legen hellbraune Eier. Jetzt, Ende Mai, sind die Hühner noch recht jung, ab der 20. Lebenswoche geht’s los mit dem Eierlegen in die großen Nester mit Dinkelstreu. Die mobilen Hühnerställe können mit einem Anhänger bewegt und so versetzt werden, dass der Auslauf wieder „frisch“, also bewachsen ist und sich die Bodenbereiche erholen können. Wegen der Vogelpest müssen die Hühner schon im dritten Jahr hintereinander geschützt werden, denn Wien gilt als Hochrisikogebiet. Deshalb können wir heute nicht direkt zu ihnen auf die Hühnerweide und können sie nur durch den Zaun beobachten.


In der Zwischenzeit wurde im Hof ein Buffet für uns aufgebaut: drei Kuchensorten und Kaffee sowie sehr delikate Aufstriche aus Eiern, Kürbiskernen und Linsen! Jetzt bleibt noch Zeit für einige Fragen und Gespräche untereinander sowie für einen Einkauf bei Katharina im Hofladen. Hier gibt es u.a. die unterschiedlichen Nudeln – selbstverständlich aus den eigenen Eiern und Weizen, manche besuchen auch den als Automatenladen konzipierten Hofladen, wo man rund um die Uhr und auch mit Bankomatkarte einkaufen kann. Es gibt auch einen eigenen Eierlikör. Dann müssen wir weiter, die nächste Station wartet schon auf uns!

Landwirtschaftlicher Betrieb Prentlhof

Klederinger Straße 169
1100 Wien

https://www.prentlhof.at/

 

Oberlaaer Erzeugergemeinschaft

https://oberlaaer.at/
Die Idee für das Projekt die gesamte Wertschöpfungskette gemeinsam zu stemmen entstand während der Pandemie.  Familienbetriebe aus der Region helfen zusammen: Oberlaaer Bio-Bauern produzieren Weizen und Roggen, der Verarbeiter, der Müller und ein innovativer Bäcker kreierten das Oberlaaer Bauernbrot. Die EZG versteht sich als Partnerschaft zwischen ErzeugerInnen und KonsumentInne und das Brot ist mittlerweile in vielen Billa-Filialen und an anderen Verkaufsstellen erhältlich.

 

Wir steigen in unseren Bus und fahren Richtung Wien. Auf der Fahrt erzählt uns die Projektleiterin von AfterWork, Kornelia Zipper, einiges über das Format AfterWork und das ÖKL, das diese Ausflüge konzipiert und veranstaltet. Dann erläutert sie uns einige Zahlen und Fakten, u.a. aus dem „Grünen Bericht“, in dem tausende Zahlen über die Landwirtschaft nachzulesen sind. Z.B. dass es in ganz Österreich zur Zeit 155.000 landwirtschaftliche Betriebe gibt und immerhin 670 davon im Wiener Stadtgebiet liegen. In Österreich werden 260.000 ha Weizen angebaut und davon 65 % im pannonischen Gebiet - also im Osten. Der pro Kopf-Verbrauch von Weizen liegt in Ö bei 61 kg und der Selbstversorgungsgrad bei 96 %

Fotos: ÖKL


Bäckerei Schrott, 1150 Wien
Fast pünktlich steigen wir auf der Äußeren Mariahilfer Straße aus dem Bus, betreten die Bäckerei Schrott, Familienbetrieb seit 1885, gehen durch das kleine Kaffeehaus und werden vom jungen Bäckermeister Jeremiah Schrott in der „Backstube“ begrüßt. In der Nacht, wo hier Hochbetrieb herrscht, würden wir das Getreide vom Prentlhof als Sauerteig wiedersehen, der zum Backen des Oberlaaer Bauernbrots verwendet wird. Das Mehl wird in dicken Schläuchen geliefert und im Keller gelagert.
Wir sehen die Sauerteiganlage, den Mischcomputer, den Thermoöl-Etagenofen, den „Einschussapparat“, den „Stikkenofen“, Rührmaschinen und und und. Nur 300 Quadratmeter hat diese Backstube, alles hat seinen Platz und wenn am frühen Morgen alles fertig ist und abgeholt wird, muss alles genau nach Plan gehen.
Für Brot sind im Ofen zwischen 230 und 250 Grad notwendig, für anderes um die 180 Grad. Ein
Kilo Brot braucht rund eine Stunde im Ofen. Dass es Sommer und Winter hier ziemlich heiß wird, kann man sich gut vorstellen! Ein sehr wichtiges Utensil für die ca. 10 Mitarbeiter:innen in der Backstube ist der Handschuh!
Wir werfen einen Blick ins „Plunderkammerl“, wie die Feinbäckerei auch genannt wird, wo der Blätterteig „touriert“ wird, das heißt, dass zwischen Teigschichten Fett eingearbeitet wird. Ein Blätterteig s
oll 144 Fett- und 288 Teigschichten haben! Viel Handarbeit, Erfahrung und Routine sowie Kopfrechnen sind Grundvoraussetzungen für diesen Betrieb! Noch dazu muss manchmal zwischendurch eine Maschine repariert werden.
Kurz schauen wir dann in den Tiefkühlraum, dieser dient zur Lagerung von z.B. Butterkipferl, die nicht jeden Tag gebacken werden oder von Plunderteig, der durch die niedrige Temperatur sogar besser wird.
Dann geht’s aber ans Verkosten. Jeremiah und seine Mutter Catherine haben einen langen Tisch vorbereitet, auf dem eine große Auswahl der insgesamt 300 verschiedenen Produkte (darunter 30 bis 40 Brotsorten!) der Bäckerei Schrott ausgebreitet liegt. Dunkle und helle Brote, mit viel Gewürz oder nur mit Salz (in Wien wird v.a. Brot ohne Kümmel, Fenchel, Koriander, Anis nachgefragt), Weckerl, Semmeln, Salzstangerl, Kuchen, Strudel, Golatschen … Mit ein bisschen Butter schmeckt´s manchen besonders gut.
Viele Fragen werden dann noch beantwortet und wir sind wirklich beeindruckt. Aber dann ist Schluss, denn Bäckermeister müssen auch schlafen!

Bäckerei und Konditorei Josef Schrott

Mariahilferstraße 159

1150 Wien
https://www.baeckerei-schrott.at/                                                                                                       Bericht: Eva-Maria Munduch-Bader
 

Fotos:  ÖKL

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