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Grand*ioses Gemüse -
Von Regenwurmkompost &
Biodiversität & Marktgärtnerei

13. Mai 2022

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Ohne Boden gäbe es uns nicht!
So lautete die Botschaft der AfterWork am Bauernhof Landpartie am

13. Mai zur Grand Farm nach Absdorf (NÖ). 23 Teilnehmer:innen freuten
sich auf einen anregenden Nachmittag am Feld – von Boden, Regenwurmkompost, Agroforst und Gemüse stand vieles am Programm. Bei diesem „AfterWork“ wurde ausschließlich der Betrieb von Alfred Grand, die „GRAND FARM“, besucht, ein Bio-Bauernhof mit hohem Forschungsanteil und „Vermigrand“ … gleich mehr davon.

Im Autobus begrüßt Projektleiterin Kornelia Zipper, die wie immer zur Einführung ins Thema einige Zahlen und Fakten für uns herausgesucht hat. Im Anschluss berichtet Reinhard Geßl über das wertvolle Gut „Boden“. Ein gesunder Boden ist die wichtigste Grundlage für die Produktion gesunder Lebensmittel und ist damit auch für die menschliche Gesundheit von enormer Bedeutung.

Damit der Boden fruchtbar bleibt, bedarf es einer klugen Bewirtschaftung der Agrarflächen. Die Gefahr lauert im Bodenabtrag, auch Erosion genannt. Durch ungünstige Witterungsbedingungen wie Wind und Regen und einer Bewirtschaftung, bei der der Ertrag im Vordergrund steht, wird Erosion vorangetrieben. Pro Person gehen jährlich ca. 3000 kg Erde durch Erosion (=Bodenabtrag) unwiederbringlich verloren (weltweit). Auch die Versiegelung von Flächen stellt in Österreich ein großes Problem dar. Jeden Tag werden 13 (!) Fußballfelder verbaut.

Umso wichtiger ist es, sich einmal bewusst zu machen, welche wertvollen Dienste der Boden für uns Menschen leistet – und das gratis! Ein gesunder Boden kann sehr viel Wasser speichern. Ein reiches Bodenlebewesen kann hier behilflich sein beispielsweise bohren Regenwürmer ihre Gänge durch den Boden. Durch diese Röhren sickert Wasser in tiefere Schichten und bleibt nicht auf der Oberfläche.

Zudem kann der Boden ein wertvoller CO2 Speicher sein. Pflanzen nehmen CO2 aus der Luft auf und werden bei ihrer Zersetzung zu Humus umgewandelt. Eine Erhöhung des Humusgehaltes im Boden bedeutet somit Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu nehmen und im Boden zu speichern. Das wirkt dem Klimawandel entgegen!

 

In Absdorf angekommen begrüßt uns Alfred Grand herzlich und wir konnten gleich die Komposterde-Produktion „Vermigrand GmbH“ besichtigen, die er mit einem Geschäftspartner 2010 gegründet hat. Der begeisterte Wurm- und Bodenspezialist erklärt und zeigt uns, wie „Heißrottekompost“ mit Hilfe von Kompostwürmern zu hochwertigem Wurmhumus wird! „Gearbeitet“ wird hier mit einem „epigäischen“ Regenwurm, der nicht sehr tief im Boden lebt, sondern eher in den lockeren Schickten oben, wo er aus dem aufgetragenen Kompost durch seine Verdauungstätigkeit den feinkrümeligen Humus erzeugt. Andere Arten leben viel tiefer im Boden. Vermis ist übrigens lateinisch und bedeutet Wurm, daher die Bezeichnung Vermigrand.

Die von den Regenwürmern „bearbeitete“ Erde bewegt sich in der Humus-Anlage langsam von oben nach unten und wird dort dann über Gitter abgezogen. Der Nachschub kommt von oben. Natürlich arbeitet der Kompostwurm nicht allein am hochwertigen Kompost, er wird unterstützt von Bakterien, Pilzen, Springschwänzen …
 

​​Exkurs: Wie rette ich einen Regenwurm? Was tun, wenn ein Regenwurm am Gehsteig liegt?

Es kommt sehr darauf an, wie feucht oder schon ausgetrocknet der Wurm ist. Da er über die Haut atmet, erstickt ein Wurm bei Trockenheit. Also soll man schauen, ob der Wurm noch glänzt, also noch feucht ist. Wenn ja, dann kann man ihn nehmen und auf eine Wiese oder einen offenen Boden legen, in den der Wurm wieder hinein kann. Wenn der Wurm schon sehr trocken wirkt, schnell in eine Lacke geben! Dann werden die Lebensgeister wieder geweckt.  Achtung: Den Wurm nicht in hohem Bogen in die Natur werfen! Lieber direkt am offenen Boden ablegen! 😉

Nächste Station: Blühstreifen, Agroforst

Bei einem Spaziergang auf die Felder (der Betrieb hat insgesamt 90 ha Ackerland) sehen wir, wie Biodiversität am und zwischen den Äckern aussehen kann. Z.B. sehen wir ein Feld in „Mischsaat“. Also nicht nur eine Kulturart, sondern hier Futterhafer und Luzerne. Im Hafer ist noch Roggen von der Vorkultur am Feld. Das macht nichts, denn der Hafer ist für die Pferde vorgesehen und die paar Roggenkörner stören nicht im Futter. Der Boden wird von Alfred nur minimal und nur oberflächlich bewirtschaftet. Im Gegensatz zum Pflug, mit dem der Boden ca. 20-30 cm tief bearbeitet wird, dringt Alfred mit dem Grubber nur 3-4 cm in den Boden. Die minimale Bodenbearbeitung wirkt sich positiv auf die Bodenfruchtbarkeit aus, denn je öfter der Boden bearbeitet wird, umso mehr Humus wird wieder freigesetzt. Auch das Geldbörserl freut sich, denn Sprit wird ebenso gespart.

Dann spazieren wir neben einem breiten Blühstreifen, der fünf Jahre unverändert stehen bleibt, und in dem viele verschiedene Gräser und unzählige Kräuter zu finden sind. Wir fotografieren Blumen und Insekten und schicken die Fotos an Reinhard Geßl, der eine Auswertung macht.  Links und rechts vom Weg ist der  „Agroforst“ – so nennt man Bäume und Sträucher im Agrarland. Durch die Kommassierungen (Flurzusammenlegungen v.a. in den 50er und 60er Jahren) sind in vielen Ackerbaugebieten Strauch- und Baumzeilen sowie Einzelbäume verschwunden, die Agrarlandschaft wurde ausgeräumt. Sehr wohl angelegt wurden gezielt Windschutzgürtel. Mit der „Bewegung“ Agroforst sollen wieder mehr Sträucher und Bäume in Ackerlandschaften zurückgebracht werden, denn sie binden CO2, stellen eine Adaption gegen die Klimaveränderung dar (Trockenheit, Starkregen) und sind ein großer Beitrag zur Biodiversität. Zudem sind in regelmäßigen Abständen Sitzstangen für Greifvögel und Fledermausnistkästen angebracht.

 

Dann gelangt die AfterWork-Partie zur „Marktgärtnerei“, dem großen Grand-Gemüsegarten. Alfred Grand erklärt einige Prinzipien dieser Idee (die aber nicht als Begriff geschützt ist): kleine Strukturen (also kleiner als 1 ha), großer Arbeitsaufwand mit sehr viel Handarbeit, rund 50 verschiedene Gemüsearten. Vermarktet wird das Grand-Gemüse im „Kistl-System“ direkt und zwar geht es an Verteilstationen z.B. in Tulln, von denen sich die Kundinnen und Kunden dann ihr bestelltes Kistl abholen können. Das Ganze gibt es erst seit 2019. Natürlich Bio!

Zum Abschluss gibt eine tolle Verpflegung mit Brot, Aufstrichen, Wasser, Saft, Wein und natürlich Gemüse!!! Obwohl die AfterWork-Gruppe schon wirklich sehr viel von Alfred Grand erfahren hat, nehmen die Fragen kein Ende! Alfred Grand ist aber auch nicht müde und beantwortet alles und zeigt uns noch einmal das Bodenprofil im Garten, wie lebendig es in tieferen Schichten seines Gartens „zugeht“!!

​Nach einer herzlichen Verabschiedung steigt die Gruppe müde, aber begeistert und zufrieden (das zeigen die Evaluierungsbögen) in den Bus um in die Stadt zurück zu fahren!

Grand Farm - Forschungs- und Demonstrationsbauernhof

Kremser Straße 63
3462 Absdorf                                                                                                                                   
Bericht: Andrea Aigner

https://grandfarm.at/

 

Fotos: Reinhard Geßl, ÖKL, TeilnehmerInnen