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Tradition & Innovation –

Kulinarische Obstgenüsse und Reisanbau in Österreich

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An einem wunderschönen Spätsommernachmittag treffen einander

20 an der Landwirtschaft interessierte Damen und Herren zu einem

AfterWork am Bauernhof mit den Schwerpunkten Obst und Reis!

Bereits im Autobus bereitet uns Projektleiterin Kornelia Zipper mit

einigen Zahlen auf die Themen vor: Das wichtigste Obst in Österreich

ist der Apfel (Schwerpunkt Steiermark), gefolgt von der Marille. Im Durchschnitt isst jede/r Österrreicher/in 80 kg Obst im Jahr (im Vergleich dazu 94 kg Fleisch inklusive Fleischprodukten). Der Selbstversorgungsgrad bei Obst liegt in Österreich insgesamt bei nur 59 % (Bananen und Orangen sind halt sehr beliebt und wachsen nicht bei uns!), aber auch mit Äpfeln können wir uns nicht selbst versorgen…

Beim Reis ist es ganz anders! Wir essen im Jahr 5 kg pro Kopf und Jahr, dieser Reis wird zu 100 Prozent importiert. Nein, halt! Nicht zu 100 Prozent! Auf etwas über 100 Hektar in Österreich wird bereits Reis angebaut und einen Betrieb schauen wir uns heute an!

Obstkulinarium, Raasdorf, NÖ

Am Hof „Obstkulinarium“ in Raasdorf, NÖ, begrüßt uns der Chef des Familienbetriebs, Herr Wilhelm Pohler. Neben (für diese Gegend wenigen) 20 ha Mais, Sonnenblumen, Weizen etc. hat sich der frühere Kartoffel- und Gemüsebetrieb mittlerweile auf Obst und Obstverarbeitung konzentriert. 13 ha Obstkulturen sind das Herzstück: Marillen (28 Sorten!!!), Kirschen (16 Sorten!!!), Weichseln, Zwetschken, Pfirsiche, Mirabellen (Steinobst) und daneben alle möglichen Sorten Beeren. Wir spazieren entlang der Obstgärten und haben großes Glück: Zwei späte Marillensorten sowie ein paar Zwetschken- und Mirabellen (Kriacherl)-Bäume stehen noch in voller Pracht und mit Früchten beladen da und laden uns zum Kosten ein!

Wir lernen u.a., dass Marillen sehr empfindlich sein können, dass manche Bäume „der Schlag trifft“ und sie dann ohne bekannte Ursache schnell und komplett vertrocknen (2013 und 2014 gingen 30 bis 40 Prozent der Bäume kaputt!). Dass Kirschbäume 25 bis 30 Jahre lang tragen, Pfirsiche werden nach ca. 15 Jahren nachgepflanzt. Dass auf einem Hektar ca. 1.000 Bäume stehen. Dass eigentlich alle Sorten gleichzeitig blühen. Dass die Bäume zwei Mal im Jahr geschnitten werden. Geerntet wird auf diesem Betrieb ausschließlich händisch, eigentlich erfolgt nur der zweite Schnitt im Jahr maschinell. In der Erntezeit arbeiten sechs bis sieben Fremdarbeiter als Pflücker mit, die unter der Woche auch am Betrieb wohnen. Der konventionelle Betrieb betreibt „integrierten Obstbau“, das heißt gespritzt wird nur, wenn es einen aktuellen Schädlingsbefall gibt. Einmal im Jahr wird mit Handelsdünger gedüngt. Nach unserem Spaziergang und der Besichtigung des bescheidenen Maschinenbestandes (da fast alles mit der Hand gemacht wird, reicht ein Traktor, ein Baumschneider und ein Obstentkerner) begrüßt uns auch die Chefin, Margarethe Pohler. Sie hat schon Säfte, Obstschüsseln, Brote mit Fruchtaufstrichen, Edelbrand und Likör zum Verkosten vorbereitet.

Edelbrände: Wer am Schnapsbrennen interessiert ist, geht mit Herrn Pohler in die Schnapsbrennerei, an die auch der großzügig und liebevoll gestaltete Hofladen anschließt. Der blitzblank polierte Brennkessel verarbeitet die mit Hefe und Zitronensäure vergärte Maische zu Edelbrand. Das heißt, dass sonst nichts dazu kommt, kein Zucker, keine Aromastoffe, kein Alkohol. Aus z.B. 25 kg Himbeeren wird ein Liter Schnaps. Diese sehr moderne Anlage, die jetzt ca. 8 Jahre alt ist, verbrennt in vier Kolonnen hintereinander 150 Liter Maische (und nicht mehr!) in einem Vorgang. Der Zoll kontrolliert und wiegt den Alkohol einmal im Monat und hebt demnach die Alkoholsteuer ein. Der Brennvorgang für z.B. die Marille dauert ca. 2 Stunden, den „Vorlauf“ (mit „Uhu“-Geschmack) und den muffigen „Nachlauf“ muss man weggeben. Für die Erhitzung werden Holzpellets verwendet.

Der teuerste Schnaps ist momentan der aus der Elsbeere - hier werden für einen Liter 40 bis 50 kg Früchte benötigt! Wie erkennt man als Konsument/in, ob es sich um einen Edelbrand handelt? Gar nicht leicht. Wenn das Aroma und der Geruch ganz besonders intensiv sind, kann es sein, dass es sich um künstliche Aromen handelt. Beim Edelbrand kommt der Alkohol ausschließlich aus der namengebundenen Frucht, z.B. beim Marillenbrand aus der Marille. Der Edelbrand wird auch in der EU-Gesetzgebung als die qualitativ höchste Spirituose bezeichnet.

​Verkauft wird fast alles direkt im Hofladen und an einem Verkaufsstand an der B 8. Auf Märkten wird nur in der Adventzeit auf fixen Weihnachtsstandeln und in drei Einkaufszentren verkauft. Das tägliche Marktfahren oder der Verkauf über Markthändler wird nicht gemacht, weil es zu arbeitsaufwendig ist.

Das Lager am Betrieb ist recht klein. Alles, was bis Samstag nicht verkauf wurde, wird zu Edelbrand, Fruchtsäften, -aufstrichen, -marmeladen etc. verarbeitet.

Nach dem Einkauf kommt die Gruppe noch einmal zusammen, letzte Fragen werden beantwortet und ein paar schöne Fotos gemacht … und dann geht’s schon weiter mit dem Bus.

Obstkulinarium

Altes Dorf 12, 2281 Raasdorf bei Wien

Öffnungszeiten Hofladen: Di-Fr: 9-18 Uhr,  Sa: 8.30-13 Uhr, So/Mo geschlossen

www.obstkulinarium.at

Bericht: Eva-Maria Munduch-Bader

Fotos: ÖKL

ÖsterReis, Gerasdorf, NÖ

 

Wir treffen Gregor Neumeyer von ÖsterReis im Abendrot direkt auf dem Reisfeld (auf den ersten Blick sieht Reis aus wie ein anderes Getreide) in Gerasdorf. Seit 2015 baut er Reis an, entstanden ist die (zu Beginn völlig absurd klingende) Idee an einem Abend in der Bar. Heute hat Herr Neumeyer 15 Partnerbetriebe, die mit ihm auf 65 ha Reis für „ÖsterReis“ anbauen.

Zuerst erklärt uns Gregor, der hauptberuflich im IT-Bereich arbeitet, einmal Grundsätzliches: Weltweit wird Reis (eine Getreideart) in Nasskultur angebaut, das heißt die Felder werden überflutet, was den großen Vorteil hat, dass das Wasser den Unkrautwuchs fast vollständig unterbindet. Zur Ernte werden die Flächen dann wieder entwässert. Die Nachteile dieses „Nassreises“ (80 Prozent weltweit) sind der Wasserverbrauch, der erhebliche Methanausstoß (= Klimagas, ca. 25 mal schädlicher als CO2) UND der Arsengehalt. Es ist so, dass die Reispflanzen das Arsen, das in jedem Boden enthalten ist, unter den nassen Bedingungen stark aufnehmen. Arsenverbindungen können im Körper jedoch als Gift wirken. Die WHO weist seit kurzem darauf hin!

Die Vorteile der Trockenreisanbaus sind also: klimafreundlicher, weniger Wasserverbrauch, kein Arsen. Der größte Nachteil: Unkraut kann wachsen und muss hauptsächlich händisch entfernt werden – auf der einen Seite, weil es in Österreich kein zugelassenes Unkrautbekämpfungsmittel gibt, auf der anderen Seite, weil Pestizide im biologischen Anbau sowieso verboten sind. Ein weiterer Nachteil ist der geringere Ertrag. Das Ziel hier in Ostösterreich sind 2,5 Tonnen pro Hektar.

Wie geht der Reisanbau nun vor sich: Reiskörner werden Ende April mit einer üblichen Sämaschine angebaut. Dann braucht die Pflanze viel Wärme und viel Pflege, die jungen Pflänzchen sind sehr empfindlich. Gegen das Unkraut wird – wenig - mechanisch (Hackgerät) vorgegangen, vor allem jedoch händisch, drei bis vier Mal ist das notwendig, sonst würden die jungen Pflanzen verdrängt werden. Im Juli sind die Pflanzen zu dieser Zeit ca. 20 cm hoch und werden bewässert, ähnlich wie z.B. Zwiebel oder Karotten. Im August blüht der Reis und dann bilden sich die Reiskörner. Die Ernte erfolgt mit einem normalen Mähdrescher Ende September oder – so wie heuer, weil es 2 Wochen so kalt war, im Oktober, danach wird der Reis gelagert und getrocknet.

Wir sehen auf dem Feld, auf dem wir stehen, vier Reissorten, die Farbschattierungen reichen von hellbraun bis grün. Es gibt übrigens zwar unendlich viele Reissorten, allein in Europa 365, aber keine eigenen Sorten für Nass- bzw. Trockenanbau. Es unterscheidet sich also nur die Anbauart.

Am Betrieb sehen wir die Reismühle – einen modernen weißen Kasten in der Größe eines Bürokopierers. Hier wird der Reis von den Spelzen befreit, das Produkt ist der „Naturreis“. Da viele von uns den Reis lieber weiß essen, können dann noch die Silberhäutchen entfernt werden, was „Polieren“ genannt wird. Was übrig bleibt, wird zu einer Reissoße verarbeitet. Diese verkosten wir dann gemeinsam mit dem Reis, der lustigerweise in Flaschen abgefüllt verkauft wird. Weitere Produkte sind Reiswaffeln, Reisbier, Reisnudeln und Reismehl.

Der Reis von 2020 ist bereits ausverkauft und alle warten schon auf die Ernte 2021. Und weil ÖsterReis nachweislich garantiert arsenfrei ist, bezieht mittlerweile auch ein großer Kindernahrungshersteller diesen wunderbaren Reis. 

Was Gregor Neumeyer möchte: österreichischen Reis „salonfähig“ machen & diese Kultur auch anderen Betrieben als Alternative schmackhaft machen. Dass Reis eine Nische bleiben wird, ist ihm bewusst.

Nach einem eindrucksvollen Sonnenuntergang über dem Reisfeld und der gemütlichen Verkostung am Hof mit Sandra, Gregors Ehefrau und seinen zwei kleinen Buben verabschieden wir uns von der gastfreundlichen Familie und fahren mit dem Bus zurück nach Wien!

ÖsterReis
Peter-Paulstraße 42, 2201 Gerasdorf bei Wien

https://oesterreis.at/

Bericht: Eva-Maria Munduch-Bader

Fotos: ÖKL