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FISH & CHIPS


15.September 2022

KARTOFFELHOF SCHRAMM, Großengersdorf, NÖ
 

Die heutige Landpartie, zur Abwechslung einmal am Donnerstag, findet sich an dem eher ungemütlich wirkenden Nachmittag am Kagraner Platz ein. In den Gemeinschaftsbus eingestiegen, geht es auch gleich los zum Kartoffelhof Schramm, der seit 15 Jahren bereits biologisch anbaut und seit einigen Jahren auch eigenen Vodka, Gin und Whisky herstellt.

Bevor es also zu der Verkostung auf den Hof geht, wird ein bisschen selbst Hand angelegt. In Großengersdorf stoßen noch Christof Schramm, seine Frau Carina und der kleine Jonas zu uns, wo wir in unserem etwas zu groß ausgefallenen Reisebus weiter auf eines der Erdäpfelfelder schottern. Hier erhalten wir sowohl eine theoretische Einführung, als auch die Möglichkeit praktisch der „Grumbiere“ näher zu kommen. Mit Überziehschuhen und Spaten ausgestattet geht es auf die Suche nach den roten, lila, gelben und braunen Früchten, die wir auch mit nach Hause nehmen dürfen.

Sogar die Sonne schaut für uns noch heraus, während Christof davon erzählt, dass sie in ihrem Betrieb 40 verschiedene Erdäpfelsorten anbauen, die aus der ganzen Welt (zum Beispiel Chile, den Kanarischen Inseln oder Schottland) zusammengesammelt und von ihnen auf 8 Hektar kultiviert werden. Funktioniert einmal von der Aussaat bis hin zur Lagerung etwas nicht, wird nächstes Jahr wieder eine neue Sorte ausprobiert. So war dieses Jahr besonders schwierig, denn aufgrund der langen Dürre war trotz Bewässerung eine nicht all zu ertragreiche Ernte. Ein anhaltendes Problem, da in dem Anbaugebiet aufgrund der fehlenden Windschutzhecken, das gegossene Wasser in Hitzeperioden auch gleich wieder verdampft, noch dazu stellt die Knolle ab einer Temperatur von 30 Grad das Wachstum ein.

Ein kleiner Faktencheck vorab ...

Ein*e Österreicher*in verbraucht etwa 51 kg Erdäpfel pro Jahr wobei hiervon nur etwa 85% auch im Land produziert werden, genauer sind es 886.000 Tonnen jährlich! Die restlichen 15 Prozent stammen meist von Ländern wie Ägypten, die uns bereits im Frühjahr Heurige Erdäpfel in die Supermärkte bringen. Im Vergleich: wir verbrauchen jährlich etwas 118 kg Gemüse, wovon wir uns nur um etwa die Hälfte selbst versorgen können.

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Erdäpfelraritäten gedämpft

Jetzt warten aber bereits gedämpfte Erdäpfel auf uns, es geht also weiter zur Potato Louge, die sich gleich neben dem Hofladen befindet. Der meiste Verkauf findet dabei aber online statt, 80% um genau zu sein. Kommt eine Bestellung herein, wird frisch abgepackt und anschließend mit der Österreichischen Post an die Konsument*innen verschickt. Die schönsten der Raritätenfrüchte werden aber auserwählt und zur Vodka- und Gin-Herstellung verwendet. Seit kurzer Zeit wird auch Mais veredelt und darf zu Whisky werden. Hier arbeitet Christof Schramm mit dem preisgekrönten Edelbrenner Josef V. Farthofer von der Mostelleria aus Öhling zusammen. Bei der anschließenden Verkostung können wir uns in kleinen Schlucken von der Qualität der Spirituosen überzeugen.  Nicht wenige der edlen Tropfen landen dann auch in den Einkaufstaschen, bevor es weiter zu Blün geht.

Fotos: ÖKL

AQUAPONIK BLÜN, 1210 Wien
 

Es geht wieder zurück Richtung Großstadt, innerhalb der Stadtgrenze von Wien ist eine unglaubliche Fläche von 5 Hektar absolut überdacht, also ein Glashaus der Größe von 8.5 Fußballfeldern (wem der Vergleich etwas sagt). In einem Teil davon ist auch Blün eingemietet, hier wird Gemüse und „Wiener Wels“ von vier innovativen Landwirten produziert.  Uns begrüßt der seit 22 Jahren leidenschaftliche Gärtner und Teilhaber von Blün Stefan Bauer, der uns mehr über die Kreislaufwirtschaft einer Aquaponik-Anlage erzählt.

Ein paar Zahlen zum Fisch: In Österreich essen wir pro Kopf im Jahr 8 kg Fisch. Nur etwa sieben Prozent davon erzeugen wir im Land, der größte Teil wird also importiert, vorrangig hier vor allem Meeresfisch. Die Fischproduktion in Österreich erfolgt vor allem durch die Aquakultur, so werden 4.300 Tonnen Speisefisch (Forellen und Karpfen beispielsweise) in insgesamt 500 Durchfluss- und Flächenanlagen gezüchtet.

Wir betreten das Innere der großen Hallen, durch den Hofladen hindurch in einen abgedunkelten Raum mit vielen Wasserbecken, wo der (eigentlich afrikanische) Wels heranwächst. Insgesamt 7 Monate dauert die Entwicklung vom Setzling bis zum schlachtreifen 1,5 kg Fisch. In dieser Zeit werden die Fische in ein jeweils größeres Becken gesetzt, wobei die sie relativ dicht gehalten werden da die Welse sonst zu einem aggressiven Revierverhalten gegeneinander neigen. So schwimmen sie friedlich mit- und nebeneinander bis sie mit der sogenannten „Chill-Methode“ zuerst mit 6 Grad kaltem Wasser betäubt beziehungsweise in Ohnmacht versetzt und anschließend händisch geschlachtet werden. Gefüttert werden die Fische mit einem Fertigfutter aus Deutschland bestehend aus Soja und Tiermehl mit den wichtigen Omega-3 Fettsäuren. Zukünftig ist geplant Soja mit tierischem Eiweiß zu ersetzen, dafür soll die sogenannte Soldatenfliege eingesetzt werden.

Das Futter für den Fisch selbst ist biologisch, wieso ist es dann nicht auch der Fisch? Denn: Gemeinsam mit dem WWF wurde die Besatzdichte u.a. für die Indoor-Züchtung erprobt und festgelegt. In Österreich sind 300 kg Lebendfisch je m³ Wasser erlaubt, bei Blün sind es deutlich weniger: 180 kg. Doch ist es in den biologischen Richtlinien vorgesehen, dass eine Fischproduktion nicht überdacht sein darf und mit dem Erdreich verbunden sein muss. Beides ist so bei Blün nicht gegeben und ähnlich verhält es sich auch bei der Gemüseproduktion.

Hier wird ohne Pestizide gearbeitet, man setzt auf Nützlinge und Klebe-Öle, doch Vorschrift für die Bio-Zertifizierung ist die Verbindung der Pflanzen mit dem Boden. Die Pflanzen im Glashaus wachsen bei Blün auf einer Matte aus Kokossubstrat, die über eine Tröpfchenbewässerung in einem geschlossenen Nährstoff- und Wasserkreislauf eingebunden sind. Insgesamt sind 30.000 Liter Wasser im Kreislauf, wobei rund 10 % aus den Fischbecken täglich erneuert werden. Bevor das „Welswasser“ dann zur Bewässerung der Pflanzen kommt, wird es mit den Spurenelementen Eisen und Kalium angereichert, um für ein besseren Wachstum zu sorgen – verloren geht hier nichts. 

Man kommt aus dem Stauen nicht mehr heraus, wie viel Technik und Wissen hinter der modernen Anlage steckt! Um die ganzen Informationen auch gut zu verankern, geht es abschließend noch zu einer Verkostung des hauseigenen Welses. Ein Glas Wein bietet die perfekte Begleitung zu geräucherten Filetstücken und lustig klingenden Fisch-Leberkäse, der aber einen umso überzeugenderen Geschmack mit sich bringt.  Die Sonne ist bereits weit hinter dem Horizont verschwunden, als wir den gut sortierten Hofladen hinter uns lassen und die Heimfahrt dieser Landpartie antreten.

Fotos: ÖKL