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​Landwirtschaft am Puls der Zeit

18. Mai 2022

 

Einen schöneren Nachmittag kann man sich gar nicht vorstellen … bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel traf sich die 24köpfige AfterWork-Partie, diesmal die Young Generation aus dem BMLRT, am Mittwoch in Hütteldorf, um dort in den Ausflugsbus in Richtung Westen zu fahren. Die Projektleiterin Kornelia Zipper begrüßt uns und wirft mit uns einen Blick auf das heutige Programm: Wir besuchen einen Schweinemastbetrieb und einen Mutterkuhbetrieb – das heißt, es geht heute in erster Linie um die Produktion von Fleisch!

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Dazu wie immer einige aktuelle Zahlen aus dem Grünen Bericht:

Von den insgesamt ca. 156.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Österreich (ca. 25 % davon wirtschaften biologisch) halten 21.000 Betriebe Schweine. Man unterscheidet Schweinezucht (also Ferkelproduktion, bis 3 Monate mit ca. 30 kg) von Schweinemast (bis zur Schlachtung, meist sind die Tiere dann ein halbes Jahr alt und wiegen 100 bis 120 kg). Insgesamt werden hierzulande pro Jahr 5,1 Millionen Schweine geschlachtet. Schweinefleisch ist das liebste Fleisch der Österreicherinnen und Österreicher, wir verzehren im Durchschnitt 36 kg in einem Jahr, gefolgt von ca. 20 kg Kalb- und Rindfleisch und ca. ebensoviel Geflügelfleisch. Zum Vergleich essen wir ca. 118 kg Gemüse (roh) im Jahr, Tendenz leicht steigend. Im Durchschnitt hat ein österreichischer Schweinebetrieb 133 Schweine. Das typische rosa Schwein in Österreich ist Edelschwein x Landrasse x Pietrain. Der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch liegt knapp über 100 Prozent. Wir exportieren hauptsächlich nach Italien und China.

Nach dieser Einleitung sind wir auch schon fast bei unserer ersten Station, dem Schweinemastbetrieb der Familie Haas in Kappeln und im Bus werden schon die Einwegüberschuhe ausgeteilt, die wir aufgrund von Hygiene-vorschriften zum Betreten des Schweinestalles brauchen.     

Betrieb Dietmar und Anna Haas
in Kapelln, NÖ

Dietmar und Anna, zwei Töchter, die Oma und der Hofhund begrüßen uns herzlich auf dem Betrieb, auf dem die klassische Schweinemast - neben Ackerbau und Forst - schon lange Tradition hat. Derzeit hält das engagierte Betriebsleiterehepaar rund 1000 Mastschweine in zwei unterschiedlichen Haltungsformen: Der alte Stall ist ein  Vollspaltenboden-Schweinestall, wie der Großteil der Schweinemastställe in Österreich, hier werden ca. 520 Schweine gemästet. Bevor wir ihn betreten, ziehen wir uns alle einen weißen Einweganzug und die Überschuhe an. Die Tiere erhalten dreimal am Tag Flüssigfutter, das vor allem aus Soja- und Rapsschrot, Maissilage und Getreide (z.T. vom eigenen Betrieb) besteht und am Betrieb zusammengemischt wird. Das Fleisch trägt im Handel das AMA-Gütesiegel.

Nur ein paar Schritte weiter steht der erst vor eineinhalb Jahren neu gebaute „Pig Port 5, der ersten Außenklimastall für Schweine ohne Spalten in Österreich. Hier haben die Schweine Stroh, Luft und Licht, in der schönen Jahreszeit steht den Tieren eine kleine Suhle zur Verfügung. Das Futter für diese Tiere wird ebenfalls am Betrieb gemischt und besteht v.a. aus Ganzkornsilage, das Futter kann in 11 Mischungen je nach Alter der Schweine variiert werden (Multiphasenfütterung). Das Fleisch dieser Tiere trägt das Tierwohl-AMA-Gütesiegel.

Alle 14 Tage kommt der Fleischhacker und holt die Tiere ins Waldviertel, wo sie geschlachtet werden. Ca. ein Drittel sind die beliebten Teile für Schnitzel, Kottelets, Karre, Lungenbraten etc.; zwei Drittel werden weiterverarbeitet. Das Fleisch von Betrieb Haas wird v.a. bei Spar (Tann schaut drauf) und Radatz verkauft. Die Fleischpreise sind mittlerweile stark von den Schwankungen am Weltmarkt abhängig.

Die Gruppe hat viele Fragen an das Betriebsleiterpaar, auch die Schweineberaterin Martina Gerner der Landwirtschaftskammer Niederösterreich ist dabei und steht für Fachfragen zur Verfügung.

Zum Abschluss serviert uns Elfi, die Mutter von Dietmar und Seminarbäuerin, neben Kaffee und Saft etwas ganz Besonderes: einen Schmerstrudel. Dieser ist ein Blätterteigstrudel (148blättrig!), heute gemacht mit Ribiselmarmelade. Das Fett für den Teig ist aber nicht Butter oder Öl, sondern faschierter „Schmer“, das ist Bauchfett von der Nierengegend des Schweines, auch Filz genannt. Dann müssen wir uns verabschieden, die Zeit ist schnell vergangen und die nächste Station ruft!

https://www.topagrar.at/schwein/news/unser-stall-ist-komplett-spaltenfrei-12471133.html

Fotos: ÖKL

Im Bus werden wir auf das Thema Mutterkuhhaltung (zur Fleischproduktion) eingestimmt. Fleischproduzierende Betriebe gibt es aktuell 55.000 in Österreich. Wir essen in Österreich pro Jahr im Durchschnitt rund 20 kg Kalb-, Jungvieh- und Rindfleisch; der Selbstversorgungsgrad beträgt 142 Prozent. In Österreich werden (mit Ende 2020) insgesamt ca. 1,86 Millionen Rinder gehalten, Tendenz rückläufig. Die durchschnittliche Bestandsdichte liegt bei ca. 34 Rinder je Betrieb. Damit sind die heimischen Betriebe im internationalen Vergleich sehr klein strukturiert. Am weitesten verbreitet ist in Österreich ist das Fleckvieh.

Die Gegend wird hügeliger und nach einer halbstündigen Fahrt erreichen wir Laab am Walde, wunderschön mitten im Biosphärenpark Wienerwald gelegen (Wer dazu mehr wissen will, kann beim Bericht vom AfterWork am 6. Mai weiterlesen) und hier www.bpww.at

Annahof in Laab am Walde, NÖ

Hier begrüßt uns Hannes Schabbauer, der die Landwirtschaft des Klosters Laab gepachtet hat. Anfang der 1990er Jahre beschloss das Kloster Laab am Walde, eine Landwirtschaft zur Eigenversorgung zu betreiben, schon damals stand Nachhaltigkeit und Bio im Vordergrund! Ein neuer Hof wurde gleich neben dem Kloster gebaut, 1997 eröffnet und von den Barmherzigen Schwestern bewirtschaftet.

Seit 2006 führt Hannes Schabbauer diesen vielfältigen Biobetrieb: Er umfasst ca. 80 ha, davon sind ca. die Hälfte Acker (Weizen, Triticale, Kleegras) für die Fütterung, 2 ha Äpfel (Topas, Kronprinz, Gala, Rubinette …) und Himbeeren sowie viele Wiesen und Weiden. Rund 100 Rinder stehen derzeit am Hof - im Stall und vor allem auf den direkt an den Hof anschließenden 15 Hektar Weide, die den Tieren jederzeit zur Verfügung stehen!  Wie im Bilderbuch ist die saftig grüne Wiese mit den Kühen getupft, die dann langsam zu unserer Gruppe spaziert kommen: Fleckvieh, Angus, Limousin, Murbodner, einige Weißblauer Belgier und Schwarzbunte und das zottelig gemütlich aussehende Hochlandrind. Die Tiere wachsen langsam und das Fleisch wird nach der Schlachtung, die direkt am Hof stattfindet (zuerst Bolzenschussapparat, dann Durschneiden der Kehle und Ausbluten), vakuumiert und ruht dann 2 bis 3 Wochen – das macht sich in der Fleischqualität natürlich sehr positiv bemerkbar!

Dann machen wir eine Runde zu den Hühnern (150 Legehennen) und Schweinen (im offenen Schweizer Kastensystem, 3 Zuchtsauen, 1 Eber plus Ferkel). Der Speck der Schweine ist z.B. wichtig für die auch hier selbstgemachten Rinderwürste, er ist der Geschmacksträger.

Neben der Produktion von Lebensmittel, erzählt Herr Schabbauer, ist auch Schule am Bauernhof ein wichtiges Standbein am Annahof in Laab am Walde, jeden Vormittag kommen in der schönen Jahreszeit zwei Klassen bzw. Kindergartengruppen auf den Hof und erleben und lernen so, wie Landwirtschaft funktioniert.

Zum Abschluss gehen wir hinüber zu den Obstgärten und verkosten Käse und Würste, natürlich vom Hof, dazu gibt es Brot und Wein. Es ist ein wirklich idyllischer Platz mit einem großartigen Blick auf die Laubmischwälder des Wienerwaldes. Man glaubt fast nicht, wie nahe die Großstadt liegt!

Nach einer Einkaufsmöglichkeit im Hofladen geht’s aber wieder zurück und in Wien kehrt die Gruppe noch bei einem Heurigen ein!

https://www.annahof-laab.at/

Bericht: Eva-Maria Munduch-Bader

Fotos: ÖKL