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Besonderes im Waldviertel
Mohnblüte &
Wurmhof

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Samstag, 05. Juli 2025

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Es ist so weit: Unsere 100. Landpartie führt uns mit dem Gemeinschaftsbus von Wien-Floridsdorf ins Waldviertel – zu zwei besonders spannenden Betrieben. 

Mit an Bord: Selina Kräutler und Kornelia Zipper vom ÖKL sowie David Witzeneder, Gründer und Geschäftsführer von der Wurmkiste (www.wurmkiste.at), der uns als heutiger Fachreferent durch die Themen Kreislaufwirtschaft und Verwertung von Lebensmittelabfällen begleitet.

Wir sprechen während der Busfahrt darüber, dass in Wien rund 30 % des Restmülls aus Biomüll besteht, der verbrannt wird – obwohl daraus wieder wertvolle Erde entstehen könnte. Genau deshalb begann David bereits während seines BOKU - Studiums mit den ersten Wurmkisten-Prototypen. Schnell merkte er: Das Thema trifft einen Nerv. Viele Menschen interessieren sich für Kompostierung, Humusaufbau und natürliche Kreisläufe. 

Eine Wurmkiste ist ein Möbelstück und zugleich ein Mini-Kompostsystem für zu Hause. In der Kiste verarbeiten Kompostwürmer Küchenabfälle zu hochwertigem Wurmhumus, der sich ideal als Bodendünger für Garten, Balkon oder Blumenkistl eignet. Wer die Würmer bei ihrer Arbeit beobachtet, versteht unmittelbar wie Abbau und Wiederaufbau von Nährstoffen funktionieren.

 

Mohnhof Greßl, Ottenschlag, NÖ

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Mohndorf mit traditionellen Mohnnudeln zur Stärkung erreichen wir den Mohnhof Greßl in Ottenschlag. Hier begrüßt uns Andreas Greßl, der gemeinsam mit seiner Familie – inklusive Kindern und Enkelkindern – den Betrieb mit viel Engagement und Vision führt.

Der Hof baut auf rund 13 Hektar Mohn an, überwiegend den Waldviertler Graumohn (geschützte Ursprungsbezeichnung), daneben auch Weißmohn und Blaumohn. Zusätzlich arbeitet Andreas mit anderen Landwirt:innen im Vertragsanbau zusammen – das bedeutet: Er übernimmt die Verarbeitung und Vermarktung von 300 ha Mohn, während die Partnerbetriebe nach gemeinsam definierten Qualitätsstandards anbauen.

Wir lernen:

  • Graumohn ist aromatisch und perfekt für süße Gerichte

  • Weißmohn hat ein feines Nussaroma und ist auch für Allergiker:innen gut verträglich – er ist zudem der teuerste Sorte

  • Blaumohn ist geschmacklich intensiv und wird klassisch in der österreichischen Küche verwendet
     

Mohn gilt als Sonderkultur, erklärt Andreas – er braucht besondere Pflege, besonderes Klima und auch die Vermarktung ist komplex. Im Inforaum bekommen wir spannende Einblicke: Luftbilder und ein Kurzfilm zeigen die Ernte mit speziell umgebautem Mähdrescher. Danach besprechen wir, wie Mohn gequetscht wird – frisch ist er nur etwa eine Woche haltbar, gefroren bis zu 6 Wochen. Am Betrieb wird auch in großen Mengen Mohnöl gepresst und der Presskuchen aus der Mohnölproduktion wird als Wildfutter oder Heizmaterial weiterverwendet. Hier wird kein Samenkörnchen verschwendet!! 

Wir dürfen schätzen wie viele Samen eine Mohnkapsel enthält: Unglaublich! Eine Kapsel besitzt rund 6.000 Samen und pro Pflanze entstehen meist 2–3 Kapseln. Die Mohnsamen haben einen hohen Ölgehalt von etwa 48 %.

Wir werfen noch einen Blick in die Hofküche, wo täglich bis zu 1000 Mohnzelten von Hand gefertigt werden 

Danach geht’s endlich raus aufs blühende Mohnfeld – zur Hochblüte.
Eine Mohnblüte hält nur einen Tag, doch durch zeitversetztes Blühen bleibt das Feld etwa zwei Wochen lang farbenfroh.

Am Feld erfahren wir mehr über den Mohnanbau: Die Aussaat erfolgt im Frühjahr. Mit nur 700–800 g Saatgut pro Hektar, welches etwa einen halben Zentimeter tief eingebracht wird, können bis zu 1000 kg Mohn geerntet werden. 

Im Hofladen gibt’s zum Abschluss Kostproben: Mohnöl, Mohnschokolade, Mohn-Eierlikör und natürlich Mohnzelten – ein geschmackliches Highlight!

Mohnhof Familie Greßl
Haiden 11

3631 Ottenschlag

www.mohnhof.at

 

 

 

Wurmhof Thaller, Zwettl, NÖ

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Am Wurmhof Thaller in Zwettl begrüßt uns Gaby Thaller herzlich. Der bio-zertifizierte Betrieb umfasst 60 Hektar Landwirtschaft, betreibt eine eigene Stiermast – und beherbergt mittlerweile über zwei Millionen Kompostwürmer.

Am Schautisch lernen wir die Kompostwürmer näher kennen: Wir dürfen sie berühren, in die Hand nehmen und  beobachten, wie aktiv sie in der Erde arbeiten – und entdecken sogar ein paar Wurmeier, aus denen bis zu fünf Kompostwürmchen schlüpfen können.

Danach geht es in die Wurmhalle wo Würmer in Mieten organisches Material zu hochwertigen Regenwurmhumus verwandeln. Interessant dabei: Die Tiere bekommen keine Küchen- oder Gartenabfälle zu fressen, sondern ein speziell entwickeltes Futter. Dieses besteht aus einer sogenannten Heißrottekompostierung – eine Mischung aus Rindermist, Biokleegras, Stroh, Erde und Steinmehl. Die Heißrotte dauert etwa sechs bis acht Wochen, erhitzt sich in ihrer aktivsten Phase auf bis zu 70 °C und wird regelmäßig mit einem Kompostwender belüftet und durchmischt, um optimale Bedingungen zu schaffen.

Nach dieser Phase wird etwa alle zwei Wochen eine zwei Zentimeter dicke Schicht des fertigen Rohkomposts oberflächlich in die Wurmbeete eingebracht. Die Würmer fressen sich durch das frische Futterangebot, und am unteren Ende der Anlage wird der fertige Regenwurmhumus geerntet – ein kompletter Zyklus dauert etwa drei Monate.

„Holy Shit“ – so nennt Gabi lächelnd das Ergebnis: ein besonders nährstoffreicher Humus, der die Bodenstruktur verbessert, das Pflanzenwachstum auf natürliche Weise fördert und nicht überdüngt werden kann. Bei fein gesiebtem Wurmhumus stehen die Nährstoffe den Pflanzen besonders schnell zur Verfügung, was für ein kräftiges und gesundes Wachstum sorgt.

Im Wurmkino vertiefen wir unser Wurm-Wissen:

  • Der sichtbare „Gürtel“ hält die Organe zusammen und dient der Fortpflanzung

  • Es gibt über 8.000 bekannte Regenwurmarten

  • Der größte in Österreich gefundene Wurm misst 40 cm

  • Kompostwürmer leben in den obersten 30–40 cm des Bodens, klassische Regenwürmer graben tiefer

  • In gesunden Böden leben rund 100 Regenwürmer pro m³, in besonders fruchtbaren sogar bis zu 400

  • Regenwürmer lockern den Boden, fördern die Wasseraufnahme und schaffen ideale Lebensbedingungen für Pflanze

  • Wurmhumus ist reich an Nährstoffen und hat eine stabile Struktur. 

Im Hofladen wird noch Wurmhumus eingekauft, dazu schütteln wir frische Butter, verkosten selbstgemachtes Brot und trinken Holler-Saft – ein gemütlicher Ausklang unserer Exkursion. Auch bei der Rückfahrt sprechen wir mit David weiter über Humusaufbau, die Bedeutung von organischer Substanz im Boden, Lebensmittelreste als Ressource und wie man im Alltag selbst Kreisläufe schließen kann.

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Diese Jubiläums-Landpartie war geprägt von spannendem Dialog, konkretem Wissen, netten Begegnungen – und einer besonders engagierten Gruppe. Auch die Landwirt:innen bestätigen: 
„So eine interessierte Gruppe ist wirklich eine große Freude!“

Wurmhof e.U

Oberhof 28
3910 Zwettl

www.wurmhof.at

Fotos:  ÖKL

Fotos:  ÖKL

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© 2018, ÖKL, Afterwork am Bauernhof

Impressum:
ÖKL – Österreichisches Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung

A-1040 Wien, Gußhausstraße 6; 

Tel: + 43 1 5051891

E-Mail: office@oekl.at

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