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Tierwohl-
ein ganzes Leben lang


 

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Freitag, 26. Juni 2026

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Hitze hin oder her – die Teilnehmer:innen lassen sich die AfterWork am Bauernhof Landpartie nicht entgehen.
Von Floridsdorf aus geht es mit dem Bus ins Weinviertel - begleitet wird die heutige Exkursion von Reinhard Geßl vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und Birgit Heinrich von Demeter Österreich.

 

Nach einer kurzen Programmvorschau und einigen Zahlen zur österreichischen Landwirtschaft erklärt Reinhard Geßl, dass Tierwohl weit mehr bedeutet als die Abwesenheit von Krankheit. Vielmehr umfasst es die gesamte Lebensqualität eines Tieres – von der Geburt bis zum Lebensende. Tiere sollen gesund sein, ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können und sich in ihrer Umgebung wohlfühlen. Dazu gehören ausreichend Platz und Bewegungsfreiheit, frische Luft und Zugang ins Freie, hochwertiges Futter, sauberes Wasser, Kontakt zu Artgenossen sowie Schutz vor Angst, Schmerzen und vermeidbarem Stress. Als Grundlage dienen die sogenannten fünf Freiheiten des Tierwohls, die auch die Basis der biologischen Landwirtschaft bilden.
Außerdem lernen wir, dass Tierwohl kein fixer Zustand ist, sondern ein kontinuierlicher Prozess, bei dem die Haltungsbedingungen laufend weiterentwickelt werden.

Anschließend führt Birgit Heinrich in die biodynamische Landwirtschaft ein. Sie erklärt, dass Demeter als ältester Bioverband die gesetzlichen Bio-Richtlinien erweitert und den landwirtschaftlichen Betrieb als lebendigen Hoforganismus versteht. Im Mittelpunkt stehen geschlossene Kreisläufe, fruchtbare Böden, eine besonders artgerechte Tierhaltung sowie der respektvolle Umgang mit Natur, Mensch und Tier.


Helga Bernold, Stronsdorf, NÖ
 

Mit diesem neuen Wissen erreicht die Gruppe den Demeterhof von Helga Bernold. Gemeinsam mit ihrem Partner Wolfgang, Fleischermeister aus Leidenschaft, führt sie den Familienbetrieb, auf dem auch die Kinder tatkräftig mithelfen. Schon nach wenigen Minuten wird klar: Tierwohl ist hier nicht nur ein Schlagwort, sondern gelebter Alltag.

Helga Bernold erzählt, warum sie sich bewusst für die Haltung von Wagyu-Rindern entschieden hat. Die Tiere wachsen besonders langsam und legen pro Tag durchschnittlich nur rund 600 Gramm an Gewicht zu – herkömmliche Mastrassen erreichen oft Tageszunahmen von bis zu 1.500 Gramm. Dadurch bleiben die Tiere rund vier Jahre am Betrieb und dürfen erwachsen werden – genau das entspricht der Philosophie des Hofes. Die Rinder erhalten ausschließlich hochwertiges Futter aus eigenem Anbau und haben ganzjährig Zugang zur Weide. Beim Rundgang durch Stall und Herde fällt sofort auf, wie ruhig, entspannt und neugierig die Tiere sind. Ebenso spürt man den engen und vertrauensvollen Bezug, den Helga zu ihren Rindern hat.

Ein besonders spannender Punkt ist die Bedeutung der Hörner. Wir lernen, dass Hörner lebendes, durchblutetes Gewebe sind und unter anderem der Kommunikation innerhalb der Herde sowie der Wärmeregulierung dienen. Zudem weisen aktuelle Forschungen darauf hin, dass sie möglicherweise auch eine Rolle bei Stoffwechsel- und Verdauungsprozessen spielen.
Helga erklärt auch, dass Hörner grundsätzlich kein erhöhtes Verletzungsrisiko innerhalb der Herde darstellen. Verletzungen durch Hörner entstehen vor allem dann, wenn Tiere unter Stress stehen oder zu wenig Platz haben. Gute Haltungsbedingungen, ausreichend Bewegungsraum und ein ruhiger Umgang mit den Tieren sind daher entscheidend.
In der biodynamischen Landwirtschaft haben die Hörner darüber hinaus eine besondere Bedeutung: Sie werden für die Herstellung biodynamischer Präparate verwendet, etwa des Hornmistpräparats, das die Bodenfruchtbarkeit und das Bodenleben fördern soll. 

Wolfgang gibt anschließend Einblicke in seine Arbeit als Fleischermeister: Etwa alle zwei Wochen wird direkt am Hof ein Rind geschlachtet. Lange Tiertransporte entfallen, wodurch den Rindern Stress weitgehend erspart bleibt. Wolfgang verarbeitet das Fleisch direkt am Betrieb zu hochwertigen Spezialitäten und setzt bewusst auf traditionelles Fleischerhandwerk. Er verzichtet auf Zusatzstoffe wie Phosphate oder Pökelsalz. 

Bei der anschließenden Verkostung können sich alle selbst von diesem Konzept überzeugen. Serviert werden köstliche Brote mit verschiedenen Wurstspezialitäten, Knabberossi und Pastrami.

Helga Bernold 
Stronsdorf 24, 

2153 Stronsdorf

www.wagyu.at

 

 

 


Apis-Z, Enzersfeld, NÖ

Nach diesem ersten Teil geht es weiter zum Betrieb Apis-Z. Bereits während der Busfahrt führt Imker Stefan Unger, selbst Teilnehmer der Afterwork-Veranstaltungen, mit spannenden Fakten in die Welt der Imkerei ein und macht Lust auf den nächsten Programmpunkt. Wir erfahren, welche enorme Bedeutung Honig- und Wildbienen für unsere Landwirtschaft haben: Rund 80 Prozent unserer Kultur- und Wildpflanzen sind auf ihre Bestäubungsleistung angewiesen. Gleichzeitig lernen wir, dass in Österreich rund 32.000 Imkerinnen und Imker tätig sind, fast 99 Prozent davon als Hobby- oder Nebenerwerbsimker. Jede Österreicherin und jeder Österreicher konsumiert durchschnittlich 1,2 Kilogramm Honig pro Jahr, doch die heimische Produktion deckt nur rund 48 Prozent des Bedarfs. 

Bei Apis-Z, einer Hofgemeinschaft, die Imkerei, Baumschule, Streuobstwiesen und Permakultur vereint, nehmen die AfterWorkler im angenehm kühlen ehemaligen Heurigen Platz.
Dort entführt uns Wolfgang Schmidt in die faszinierende Welt der Imkerei und in die wesensgemäße Bienenhaltung ein. Seine Begeisterung ist spürbar und ansteckend und er vermittelt uns wie komplex und perfekt organisiert ein Bienenvolk ist. Für Wolfgang Schmidt ist das Bienenvolk weit mehr als die Summe seiner einzelnen Tiere – erst das harmonische Zusammenspiel von Königin, Arbeiterinnen und Drohnen macht den sogenannten „Bien“ zu einem funktionierenden Superorganismus. Er berichtet außerdem, dass es weltweit neun Arten von Honigbienen gibt – acht davon stammen aus Asien, nur eine Art ist in Europa heimisch. Auf seinem Betrieb leben rund 200 Bienenvölker.

Wolfgang erklärt den Unterschied zwischen Wildbienen, Honigbienen und wildlebenden Honigbienen und präsentiert anschließend Naturwaben, die vollständig von den Bienen selbst gebaut werden. 

Auch das Schwärmen ist Thema. Der Imker erklärt, dass es sich dabei um einen völlig natürlichen Vorgang handelt, der der Vermehrung und Verjüngung eines Bienenvolkes dient und von ihm bewusst nicht grundsätzlich verhindert wird. Über die Drohnen lernen wir ebenfalls viel Neues. Sie sind die männlichen Bienen und haben vor allem die Aufgabe, junge Königinnen zu begatten und damit für die genetische Vielfalt zu sorgen. Besonders faszinierend sind die sogenannten Drohnensammelplätze – Orte, an denen sich Drohnen und Königinnen treffen und deren genaue Funktionsweise bis heute nicht vollständig erforscht ist.

Ebenso beeindruckend ist der Schwänzeltanz der Honigbienen. Mit dieser einzigartigen Tanzsprache teilen Sammlerinnen ihren Artgenossinnen mit, wo sich ergiebige Futterquellen befinden. Richtung, Dauer und Intensität des Tanzes verraten Flugrichtung, Entfernung und Qualität der Nahrung – eine Kommunikationsform, die bis heute fasziniert.

Auch die Varroa-Milbe ist Thema. Wir lernen, dass sie nach wie vor der größte Feind der Honigbiene ist. Sie schwächt die Bienen, überträgt Viren und kann ganze Bienenvölker gefährden. Staunen löst auch der außergewöhnliche Geruchssinn der Bienen aus. Wir erfahren, dass sie Gerüche um ein Vielfaches besser wahrnehmen können als Hunde und deshalb sogar für spezielle Aufgaben trainiert werden können.
Bienentierwohl bedeutet daher nicht nur ausreichend Nahrung und geeignete Lebensräume, sondern auch eine sorgfältige Betreuung der Völker durch den Imker.

Nach der theoretischen Einführung geht es schließlich direkt zu den Bienenstöcken. Wolfgang Schmidt arbeitet völlig ruhig und öffnet die Völker ohne Schutzanzug und ohne Handschuhe. Bevor er die Beuten öffnet, verwendet er einen Smoker und dann dürfen wir aus nächster Nähe den Bienenstock bzw. die einzelenen Bienenwaben betrachten – ein besonderes Erlebnis. Beeindruckend ist vor allem die Ruhe, mit der Wolfgang Schmidt arbeitet. Seine Bienen kennen ihren Imker und fühlen sich durch seine ruhigen, geübten Handgriffe nicht bedroht. So wird deutlich, wie wichtig Vertrauen und ein respektvoller Umgang auch in der Imkerei sind.

Zum Abschluss wartet eine Verkostung verschiedenster Bienenprodukte. Besonders spannend ist Oxymel, ein traditionelles Getränk aus Honig, Essig und Wasser. Daneben werden verschiedene Honigsorten verkostet. Den Kreis der Veranstaltung schließt schließlich der Sonnenblumenhonig, dessen Nektar von den Bienen auf den Feldern von Helga Bernold gesammelt wurde. 

Apis-Z
Hagenbrunner Str. 7
2202 Enzersfeld im Weinviertel

www.apis-z.at

Fotos:  R.Gessl, ÖKL

Fotos:  R.Gessl, ÖKL

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© 2018, ÖKL, Afterwork am Bauernhof

Impressum:
ÖKL – Österreichisches Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung

A-1040 Wien, Gußhausstraße 6; 

Tel: + 43 1 5051891

E-Mail: office@oekl.at

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