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Green Care & Fisch Flair
Soziale Landwirtschaft,
Gemüse und Aquaponik 

 

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Mittwoch, 27. Mai 2026

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Auf dem heutigen Programm stehen zwei sehr unterschiedliche landwirtschaftliche Betriebe, die eindrucksvoll zeigen, wie vielfältig Landwirtschaft im urbanen Raum sein kann. Unser erster Besuch führt uns zum Gärtnerhof GIN, einer Green Care-zertifizierten sozialen Landwirtschaft, bevor wir anschließend den Aquaponik-Betrieb Blün kennenlernen werden.


Gärtnerhof GiN, 1220, Wien
 

Bei sommerlichem Wetter versammelt sich die Gruppe unter der schattigen Laube des Gärtnerhofs. Mit dabei sind auch Günther Mayerl, Geschäftsführer von Green Care Österreich, sowie Susanne Kabusch, Projektkoordinatorin von Green Care Österreich. Vom Verein GIN begrüßen uns Traute Vogl, Lukas Engelhardt und Johnny, die uns gemeinsam durch den Betrieb begleiten.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde sprechen wir zunächst über die Besonderheiten der Wiener Stadtlandwirtschaft. Vielen ist gar nicht bewusst, dass Wien nicht nur Großstadt, sondern auch bedeutender Agrarstandort ist. Rund 747 land- und forstwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften etwa 15 Prozent der Wiener Stadtfläche. Besonders stark vertreten sind der Gemüsebau, Weinbau und Gartenbau.

Der Gärtnerhof GIN selbst ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie Landwirtschaft, soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit miteinander verbunden werden können. Seit 2017 ist der Betrieb als Green Care-Betrieb zertifiziert. Menschen mit Betreuungsbedarf finden hier sinnstiftende Beschäftigung und begleiten den gesamten Produktionsprozess – von der Aussaat über die Pflege und Ernte bis hin zum Verkauf der Produkte.

Die Führung übernimmt Johnny, der seit vielen Jahren am Gärtnerhof tätig ist und den Betrieb bestens kennt. Mit großem Wissen und sichtbarer Begeisterung zeigt er uns „seinen“ Arbeitsplatz. Gleich zu Beginn tauchen wir in die Vielfalt der Kräuterwelt ein. Griechischer Bergtee, zahlreiche Minzsorten und viele weitere Kräuter wachsen hier in sorgfältiger Handarbeit. Wir erfahren, dass während der Wintermonate aus bis zu 20 verschiedenen Kräutern eigene Teemischungen hergestellt werden. Auch Kräutersalze entstehen direkt am Hof und ergänzen das Sortiment.

Anschließend besichtigen wir die Pressballenmaschine. Mit ihr werden die kleinen Erdballen hergestellt, in die später die Jungpflanzen gesetzt werden. Ein Großteil dieser Jungpflanzen wird direkt am Betrieb vorgezogen – ein wichtiger Baustein für die Produktion.

Beim weiteren Rundgang fällt unser Blick auf ein blühendes Phacelia-Feld. Die violett blühende Pflanze dient als wertvolle Bienenweide, verbessert die Bodenstruktur und wird häufig als Gründüngung eingesetzt. Sie fördert die Biodiversität und unterstützt ein gesundes Bodenleben.

Danach betreten wir die Folientunnel, in denen zahlreiche Tomatensorten kultiviert werden. Besonders interessant ist die Mischkultur mit Basilikum, das zwischen den Tomaten wächst. Die beiden Pflanzen ergänzen sich hervorragend, und das Basilikum profitiert von der leichten Beschattung durch die Tomatenpflanzen. Neben den Tomaten gedeihen im Freiland auch Brokkoli, verschiedene Salate, Mangold, Knollensellerie und viele weitere Gemüsearten.

Auf dem Betrieb finden sich außerdem Obstbäume und Weinreben, die vor allem für den Eigenbedarf genutzt werden. Das Herzstück bildet jedoch die Gemüseproduktion auf rund 0,6 Hektar Freilandfläche sowie in drei Gewächshäusern. Gearbeitet wird nach den Prinzipien des Market Gardening. Dieses Anbausystem setzt auf eine intensive Bewirtschaftung kleiner Flächen mit großer Kulturvielfalt, kurzen Wegen und überwiegend händischer Arbeit. Ziel ist eine hohe Produktivität bei gleichzeitig ressourcenschonender Bewirtschaftung. Die erzeugten Produkte werden unter anderem am Bauernmarkt am Yppenplatz verkauft, direkt ab Hof vermarktet oder über Gemüsekisten bis vor die Haustüre geliefert.

Die Führung macht sichtbar, wie vielfältig, bunt und durchdacht der Gärtnerhof gestaltet ist. Unterschiedlichste Kulturen, Nützlingszonen, Kompostbereiche, naturnahe Strukturen und gemütliche Schattenplätze schaffen wertvolle Lebensräume für Mensch und Natur.

Nach dem Rundgang stärken wir uns mit Säften von der „GIN Alm“, einer weiteren landwirtschaftlichen Beschäftigungswerkstätte des Vereins GIN am Leopoldsberg. Dazu werden Fenchelsalat und selbstgebackene Brote serviert. In gemütlicher Atmosphäre berichten Günther Mayerl und Susanne Kabusch über die Arbeit von Green Care Österreich. Green Care unterstützt landwirtschaftliche Betriebe dabei, sich in sozialen, pädagogischen oder gesundheitsfördernden Bereichen zu diversifizieren, und begleitet sie bei Qualitätsentwicklung und Zertifizierung. Vom Kindergarten oder der Schule am Bauernhof über Tagesbetreuung und Beschäftigungsangebote bis hin zu Auszeit- und Demenzhöfen – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Bevor wir aufbrechen, nutzen viele noch die Gelegenheit, beim liebevoll gestalteten Verkaufsstand Jungpflanzen, Kräuter oder Gemüsesackerl für zuhause zu erwerben. Danach machen wir uns zu Fuß auf den Weg zur nächsten Station unserer Landpartie – dem Aquaponik-Betrieb Blün.


Gärtnerhof GiN
Hänischgasse 16, 

1220 Wien 

www.gaertnerhof.at

 

 

 


Blün, 1220, Wien

Nach nur wenigen Minuten Fußweg erreichen wir unsere zweite Station: den Aquaponik-Betrieb Blün. Im modernen und einladenden Hofladen werden wir von Stefan Bauer, Geschäftsführer der Blün GmbH, und seinem Kollegen Matthias empfangen.

Seit mittlerweile zehn Jahren verbindet Blün auf innovative Weise Fischzucht und Gemüseproduktion mitten in der Stadt. Das Herzstück des Betriebes ist die Aquaponik – ein Kreislaufsystem, bei dem Fischzucht und Pflanzenproduktion miteinander verbunden werden. Die Ausscheidungen der Fische liefern wertvolle Nährstoffe für die Pflanzen die in einem geschlossenem Wasserkreislaufsytem gedeihen. 

Stefan Bauer erklärt uns das System und stellt den „Star“ des Betriebes vor: den Afrikanischen Raubwels. Diese Fischart eignet sich besonders gut für Aquaponik, da sie sehr robust ist, hohe Besatzdichten verträgt und auch bei geringerem Sauerstoffgehalt im Wasser problemlos wachsen kann. Die Jungfische werden von spezialisierten Betrieben zugekauft und anschließend bei Blün gemästet. Mit etwa 1,5 kg  erreichen sie ihr Schlachtgewicht. Die gesamte Verarbeitung erfolgt direkt vor Ort – von der Schlachtung über das Filetieren bis hin zur Veredelung zu Räucherfischprodukten.

Die Fische werden mit Pellets gefüttert, die aus Fischerei-Nebenprodukten hergestellt werden. Um Stress und Kannibalismus zu vermeiden, werden die Tiere in eher dunklen Becken und bei entsprechend dichter Besatzdichte gehalten. Matthias, der sich seit fünf Jahren um die Fischproduktion kümmert, berichtet über die Besonderheiten der Haltung und die Anforderungen an die Wasserqualität. Besonders interessant: Der Afrikanische Raubwels besitzt ein zusätzliches Atmungsorgan (Blumenkohlorgan) und kann daher Sauerstoff auch direkt aus der Luft aufnehmen – ein Vorteil für die Haltung in Aquaponik-Systemen.

Anschließend teilen wir uns in zwei Gruppen auf. Während die eine Gruppe die Fischproduktion besichtigt, macht sich die andere auf den Weg in die beeindruckenden Gewächshäuser. Rund 190.000 Pflanzen wachsen hier jährlich. Tomaten, Gurken und Paprika gedeihen unter optimalen Bedingungen und profitieren von den Nährstoffen aus dem Fischwasser.

Die Tomatenpflanzen faszinieren uns besonders - sie werden laufend gedreht und an Schnüren geführt, wachsen mehrere Meter hoch und erzielen Erträge von bis zu 50 Kilogramm pro Quadratmeter. Auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel wird vollständig verzichtet. Stattdessen setzt der Betrieb auf ein ausgeklügeltes Kulturmanagement und den gezielten Einsatz von Nützlingen. So übernehmen beispielsweise Hummeln die Bestäubung der Tomatenblüten und tragen wesentlich zu einer sicheren Fruchtbildung bei. Darüber hinaus werden weitere Nützlinge eingesetzt, um Schädlinge auf natürliche Weise zu regulieren. Die Pflanzenproduktion läuft beinahe ganzjährig – lediglich im Dezember bleiben die Gewächshäuser leer. Nach Saisonende werden die Pflanzenreste gehäckselt und kompostiert. Auch hier gilt das Prinzip: Nichts wird verschwendet.

Stefan Bauer zeigt eindrucksvoll, wie moderne Landwirtschaft, Technologie und Nachhaltigkeit miteinander verbunden werden können. Mitten in Wien entstehen hier große Mengen hochwertiger Lebensmittel bei gleichzeitig ressourcenschonendem Einsatz von Wasser und Nährstoffen. Neben dem Verkauf über den Lebensmittelhandel werden die Produkte über einen Lieferservice, den Hofladen sowie am Wiener Naschmarkt vermarktet.

Besonders spannend ist auch die Verarbeitung jener Produkte, die nicht für den Frischmarkt geeignet sind. Aus Tomaten entstehen Saucen und Ketchup, Gurken werden zu Gin veredelt und auch die Fische werden in unterschiedlichsten Formen angeboten. Neben frischen Filets gibt es Räucherfisch, Fischleberkäse und sogar Fischwürste, die gemeinsam mit Partnerbetrieben hergestellt werden.

Zum Abschluss dürfen wir die Produkte natürlich auch verkosten. Räucherfisch, Fischleberkäse und knackige Tomaten direkt aus dem Gewächshaus überzeugen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer . Bei angeregten Gesprächen wird verkostet, eingekauft und gefachsimpelt.

Diese Landpartie hat einmal mehr gezeigt, wie vielfältig und innovativ  Landwirtschaft sein kann – und das sogar mitten in der Großstadt. Künftig werden viele von uns die Mini-San-Marzano-Paradeiser von Blün im Supermarkt oder die Produkte am Brunnenmarkt mit anderen Augen betrachten. Denn wir wissen jetzt: hinter jedem Produkt stehen Geschichten, Menschen, viel Know-how und Arbeit sowie Leidenschaft.

Blün GmbH
Schafflerhofstraße 156
 

1220 Wien 

www.bluen.at

Fotos:  ÖKL, M.Koliha

Fotos:  ÖKL, M.Koliha

Gärtnerhof Schön, 1220, Wien
 

Und nun folgt noch ein AfterWork nach dem AfterWork: Andrea Schabbauer von der Gärtnerei Schön, die direkt neben Blün angesiedelt ist, hat spontan eingeladen, den Abend in ihrer Gärtnerei ausklingen zu lassen. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer nehmen das Angebot gerne an und machen sich auf den Weg, um noch eine weitere Stadtlandwirtschaft kennenzulernen.

Bei einem Glaserl Wein im Garten wird die Abendstimmung zwischen Salaten, Kräutern und Jungpflanzen genossen. Andrea Schabbauer gibt dabei spannende Einblicke in ihre Gärtnerei. 

Gärtnerhof Schön
Hänischgasse 10, 

1220 Wien 

www.gaertnerei-schoen.at

 

 

 

Fotos:  ÖKL, M.Koliha

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© 2018, ÖKL, Afterwork am Bauernhof

Impressum:
ÖKL – Österreichisches Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung

A-1040 Wien, Gußhausstraße 6; 

Tel: + 43 1 5051891

E-Mail: office@oekl.at

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