




Grüne Oasen in der Stadt -
Landwirtschaft bringt Biodiversität
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Donnerstag, 30. Juli 2026
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An diesem heißen Sommertag treffen wir uns zu einer AfterWork am Bauernhof-Landpartie im Donaufeld – mitten in Wien und doch mitten im Grünen. Unser Ziel sind die Gärtnerei Bioschanze von Florian Kothny und Galina , die ihren Betrieb nach biodynamischen Grundsätzen führen und ihr Gemüse größtenteils direkt vermarkten, sowie der Bio-Brombeergarten von Martin Freimüller, der nur einen Katzensprung entfernt liegt.
Begleitet wird die Veranstaltung von der Biologin Michaela Truppe. Gemeinsam wollen wir der Frage nachgehen, warum Landwirtschaft und Biodiversität untrennbar miteinander verbunden sind, weshalb beide voneinander profitieren – und welchen besonderen Mehrwert diese Verbindung gerade im städtischen Raum bietet.
Bevor wir die Bioschanze erkunden, erfahren wir Wissenswertes über das Donaufeld. Hier befinden sich einige der fruchtbarsten Böden Österreichs. Auch die Wasserversorgung ist außergewöhnlich gut, da das Brunnen - und Grundwasser direkt mit der Donau verbunden ist und von ihr gespeist wird. Seit Generationen prägen landwirtschaftliche Betriebe und Gärtnereien dieses Gebiet. Zwar wurden in den vergangenen Jahrzehnten große Flächen verbaut, doch ein Teil des Donaufeldes wird bis heute bewirtschaftet und steht derzeit unter einer Bausperre.
Diese stadtnahe Landwirtschaft leistet einen wertvollen Beitrag zur Nahversorgung. Gleichzeitig wirkt sie als natürliche Klimaanlage für Wien. Messungen zeigen, dass es im Donaufeld an heißen Sommertagen bis zu 3,5 Grad Celsius kühler sein kann als in den dicht verbauten Stadtteilen. Die Verdunstung der Pflanzen sowie die nächtliche Bewässerung sorgen für angenehmere Temperaturen und verbessern das Mikroklima erheblich wovon die Artenvielfalt profitiert.
Leider nimmt die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Wien seit Jahrzehnten kontinuierlich ab. Während es in den 1950er-Jahren noch mehrere tausend Gemüse- und Gartenbaubetriebe gab, sind es heute nur noch rund 485 Stück, davon etwa 150 Gemüsebaubetriebe. Mit jeder verbauten und versiegelten Fläche geht auch wertvoller Lebensraum verloren. Dabei erfüllt Biodiversität im Sinne eine vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt zahlreiche wichtige Funktionen: Sie sorgt für Bestäubung, verbessert die Bodenfruchtbarkeit, fördert die natürliche Schädlingsregulation, speichert Wasser, schützt vor Erosion und macht Ökosysteme widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels. Gleichzeitig steigern Grünräume in der Stadt die Lebensqualität und bieten wichtige Erholungsräume für die Bevölkerung.
Bioschanze, Wien, 1210
Florian Kothny, Betriebsleiter der Bioschanze, führt uns gemeinsam mit seiner kleinen Tochter durch seine Flächen und Glashäuer, die er seit mittlerweile 16 Jahren bewirtschaftet. Rund 90 Prozent der Ernte werden direkt an Kundinnen und Kunden verkauft, ein kleiner Teil geht an die Gastronomie. Schon unmittelbar nach der Matura entschied sich Florian für den Gemüsebau und verwirklichte nach und nach seinen Traum der eigenen Gärtnerei.
Etwa ein Drittel der Erzeugnisse wird direkt im Donaufeld vor Ort verkauft, zwei Drittel finden ihren Weg auf den Kutschkermarkt und den Naschmarkt. Die Flächen im Donafeld sind Pachtflächen, zusätzlich bewirtschaftet die Familie einen zweiten Standort im Süden Wiens, wo Kulturen angebaut werden, die mit weniger Bewässerung auskommen – darunter Kartoffeln, Kürbisse, Zwiebeln und verschiedenes Wurzelgemüse.
Im Donaufeld werden auf rund fünf Hektar Gemüse kultiviert. In trockenen und heißen Sommern wie diesem muss während der gesamten Nacht bewässert werden, um die Kulturen ausreichend mit Wasser zu versorgen.
Beim Spaziergang durch die Felder eröffnet sich ein Blick auf die Wiener Skyline zwischen Palmkohl, Freilandtomaten, Schnittlauch und Zucchini. Florian erklärt seine Anbauweise: Das Saatgut wird zugekauft, zum Beispiel von Reinsaat, lediglich seine Tomatensamen vermehrt er selbst. Spannend ist auch seine große Experimentierfreude: Immer wieder testet er neue, auch exotische Sorten, die entweder eine Nische bedienen oder sich künftig besser an die trockeneren Klimabedingungen anpassen könnten. Dabei legt er großen Wert auf eine breite Sortenvielfalt sowie konsequente Fruchtfolgen und Anbaupausen.
Seine Philosophie ist erprobt und konsequent: Gesunde Pflanzen sind widerstandsfähig. Deshalb verzichtet er vollständig auf Pflanzenschutzmittel – selbst auf biologische Präparate. Stattdessen setzt er auf gesunde Böden, vitale Pflanzen und ein funktionierendes Ökosystem.
Auf dem Rückweg entdecken wir zahlreiche Kräuter wie Salbei, Bohnenkraut und Oregano. Zur Erfrischung dürfen wir gelbe und rote Wassermelonen kosten, bevor wir noch einen Blick in das üppig bewachsene Glashaus werfen. Dort wachsen Tomatillos, Gurken, Melanzani und viele weitere Kulturen.
Bei einem kühlen Apfelsaft entstehen angeregte Gespräche über Gemüsebau, aktuelle Herausforderungen und Schädlinge wie die Reiswanze, bevor wir zu Fuß unsere nächste Station erreichen.
Unter einem schattigen Baum erwartet uns Biologin Michaela Truppe mit einem spannenden Vortrag über die Tierwelt des Donaufeldes. Anhand ausgewählter Fotos lernen wir heimische Arten wie Wechselkröte, Erdkröte, Neuntöter, Schwalben und den Turmfalken kennen.
Viele dieser Tiere stehen unter Schutz und übernehmen wichtige Aufgaben im Ökosystem. Greifvögel und andere Vogelarten halten beispielsweise Wühlmäuse und andere Schädlinge in Schach und unterstützen so die Landwirtschaft auf natürliche Weise. Auch Kröten sind wertvolle Nützlinge: Sie ernähren sich unter anderem von Nacktschnecken, Insekten, Käfern und anderen wirbellosen Tieren und tragen damit ebenfalls zur natürlichen Schädlingsregulierung bei.
Gleichzeitig sind auch diese Tiere auf die Landwirtschaft angewiesen. Blühflächen, Hecken, Ackerränder und strukturreiche Kulturlandschaften bieten ihnen Nahrung, Schutz und Brutplätze. Auch die Bewässerung spielt eine wichtige Rolle: Tiere finden dort Trinkwasser, Amphibien nutzen feuchte Bereiche als Lebensraum oder Laichgewässer und Schwalben sammeln Schlamm für den Bau ihrer Nester. Landwirtschaft und Biodiversität bilden somit eine echte Synergie, von der beide Seiten gleichermaßen profitieren.
1210 Wien
Bio-Brombeeren vom Stadtgärtner, Wien, 1210
Unsere nächstes Ziel ist der Brombeergarten von Martin Freimüller und seiner Familie. Zur Begrüßung gibt es hausgemachten Brombeersirup, frische Brombeeren zum Selberpflücken sowie Brot mit Brombeermarmelade und Brombeeressig – ein köstlicher Empfang.
Auch hier packt die ganze Familie mit an. Auf rund 7.000 Quadratmetern wachsen Brombeeren, deren Anlage bereits zwölf Jahre alt ist. Martin entschied sich bewusst für Brombeeren, weil sie seine Lieblingsfrucht sind und weil er den hervorragenden Boden des Donaufeldes, auf dem seine Familie bereits in fünfter Generation Gartenbau betreibt, sinnvoll nutzen wollte.
Neben Brombeeren wachsen hier auch Himbeeren und Ribisel sowie Obst- und Nussbäume. Auch Hühner gehören zum Betrieb. Sie leben auf einer eingezäunten Fläche zwischen den Brombeerreihen, wo sie scharren, nach Insekten suchen und an der Bewässerungsanlage trinken können – und wir werden sie später noch kennenlernen.
Die Hauptsorte trägt den Namen Asterina und stammt ursprünglich aus der Schweiz. Sie reift bereits im Juli und damit deutlich früher als wilde Brombeeren.
Der Garten im Donaufeld dient als Selbstpflückanlage, während an einem zweiten Standort in Gerersdorf Brombeeren für den Verkauf in Schalen geerntet werden.
Als Dauerkultur bieten Brombeeren über viele Jahre hinweg wertvolle Lebensräume. Während ihrer Blüte locken sie zahlreiche Wildbienen, Honigbienen, Hummeln und andere Bestäuber an. Diese sorgen nicht nur für guteErträge im Brombeergarten, sondern bestäuben gleichzeitig viele weitere Kultur- und Wildpflanzen in der Umgebung. Auch zahlreiche Vogelarten finden hier Nahrung und tragen wiederum zur natürlichen Schädlingsregulierung bei.
Passend zum Thema Biodiversität besuchen wir schließlich die Bienenvölker von Gerti und Moritz Weberhofer, die sich ebenfalls im Brombeergarten befinden. Beeindruckend ist der sogenannte Bienenbart – eine große Traube aus Bienen, die sich vor dem Stock sammelt und häufig an heißen Tagen wie diesem auftritt. Ein Teil der Bienen verlässt vorübergehend den Stock, damit im Inneren genügend Platz zum Lüften bleibt und die Temperatur konstant gehalten werden kann. Dabei handelt es sich also um ein normales Verhalten und nicht um ein Anzeichen für einen Schwarm.
Wir erfahren viele faszinierende Fakten: Eine Arbeiterbiene lebt im Sommer durchschnittlich etwa 40 bis 45 Tage. Rund die ersten drei Wochen verbringt sie im Stock mit Brutpflege, Wabenbau, Reinigung und anderen Arbeiten. Erst danach beginnt sie als Sammelbiene Nektar und Pollen einzutragen. Den Nektar transportiert sie im Honigmagen und versetzt ihn mit Enzymen. Im Stock wird der Nektar mehrfach von Biene zu Biene weitergegeben, wobei ihm Wasser entzogen wird. Anschließend wird er in den Waben eingelagert und weiter getrocknet, bis daraus der haltbare Honig entsteht. Erstaunlich ist auch, dass die Zunge einer Honigbiene etwa doppelt so lang ist wie ihr Kopf und ihr dadurch das Sammeln von Nektar erleichtert wird. Die Bienenkönigin kann in der Hochsaison bis zu 2.000 Eier pro Tag legen.
Bienen zählen zu den wichtigsten Bestäubern überhaupt. Rund drei Viertel unserer Kulturpflanzen profitieren direkt oder indirekt von ihrer Bestäubungsleistung. Damit sichern sie sowohl die Artenvielfalt als auch einen wesentlichen Teil unserer Lebensmittelproduktion.
Nach diesem abwechslungsreichen Nachmittag wird deutlich, dass im Donaufeld Stadtleben, Lebensmittelproduktion, Naturschutz und Klimaanpassung unmittelbar aufeinander treffen. Während anderswo versiegelte Flächen die Stadt immer stärker aufheizen, bleiben diese Felder ein wichtiger Freiraum für Menschen, Tiere und Pflanzen.
Zum Abschluss kaufen viele von uns noch frisches Gemüse und regionale Produkte direkt ab Hof ein und lassen den Abend gemütlich ausklingen. Mit nach Hause nehmen wir nicht nur köstliche Lebensmittel, sondern auch ein neues Bewusstsein dafür, dass jeder erhaltene Acker, jede Hecke und jede Blühfläche im Donaufeld weit mehr sind als Produktionsfläche:
Sie sind ein Refugium für die Vielfalt mitten in Wien.
Bio-Brombeeren vom Stadtgärtner
An der Schanze 23
1210 Wien
Fotos: ÖKL, M. Truppe, M. Koliha
Fotos: ÖKL, M. Truppe, M. Koliha




















































