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Vom Acker ins Krügerl -
Wiener Braugerste für unser Bier

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Eine fröhliche AfterWork Landpartie am Bauernhof

Veranstaltung war das am 10. Juni 2022! Petrus meinte es

vorab nicht so gut mit den TeillnehmerInnen und den Kirschen,

jedoch umso mehr profitierte die Braugerste vom lang

ersehnten Regen. Wir verfolgten den Weg der Braugerste

vom Bauernhof bis in die Brauerei zum Bier.

Nach der herzlichen Begrüßung durch die Projektleiterin

Kornelia Zipper stiegen 14 wissbegierige Anwesende

in den Autobus, der uns in den 22. Bezirk zum Landwirtschaftsbetrieb des Schottenstiftes führte. Als Einstimmung bekamen die Teilnehmenden bei der Fahrt Informationen zur österreichischen Bierproduktion, zum Bierkonsum und über die Österreichische Brauunion und weltweite Brauereikonzerne.

Schottenobst, 1220 Wien

Am Betrieb Schottenobst wurden wir herzlich von Güterdirektor Bernhard Schabbauer im Innenhof empfangen. Der Regen stellte sich glücklicherweise zum Beginn der Betriebsbesichtigung ein und wir konnten trockenen Fußes unseren Rundgang beginnen. Auch der Güterdirektor musste feststellen, dass man ihm wettertechnisch nicht gerecht werden kann. Was seinem „Ackerbauherz“ taugt, taugt seinem Herzen als Obstbauer noch lange nicht. Und so platzen leider die Süßkirschen der Sorte Burlat bei dem starken Regen auf und können somit nicht im Handel platziert werden. 

Das Schottenkloster wurde 1155 an der Freyung gegründet und dem Stift wurden landwirtschaftliche Flächen zur Selbstversorgung übergeben.1697 hat Abt Sebastian beschlossen in Breitenlee auf 150 Joch (= ca. 80 ha) einen gemischten Betrieb mit Tierhaltung, Wein- und Ackerbau für die damals über 100 Beschäftigten zu betreiben. Heute gehören 580 ha zum landwirtschaftlichen Betrieb, aufgeteilt in 500 ha Ackerbau und 80 ha Obst (Kirschen, Weichseln, Zwetschken, Marillen und Äpfel) in Wien und NÖ. Wobei die Äpfelplantagen an einen neuen Partner mit guter Dirketvermarktung verpachtet sind. Das Stift beschäftigt heute zwei Angestellte für den Ackerbau und eine Angestellte für den Hofladen. Hinzu kommt der personalintensive Bedarf für den Obstbau. Die landwirtschaftlichen Kräfte kommen aus Polen, Tschechien und der Ukraine und finden ganzjährig am Hof Arbeit und leben auch dort. Die Flächen liegen schön arrondiert und der Betrieb wird konventionell bewirtschaftet.

In der Kirschenplantage beim Hof durften wir die süßesten Burlat-Kirschen direkt vom Baum pflücken und lernten viel über die Herausforderungen im Obstbau: Von Frostberegnung bis Vogelschreianlage, von Veredelung bis Bestäubung sowie die Bodenbearbeitung. Wenn die Kirschplantage nach 13-15 Jahren ausgedient hat, werden die Stämme gerodet. Besonders gute Stämme werden in einer Drechslerei verarbeitet, andere werden zu Brennholzscheiten oder Hackschnitzel verarbeitet.

Nach einem Einkauf im wunderschönen Hofladen wo es viele Säfte, Weine, Essig, Apfelchips und die leckeren Bellise-Kirschen vom Betrieb gab, durften wir auch die hauseigenen Produkte kosten. Besonders die Schottenmeister-Weine und das Bier „Wiener Original“, erfreute unsere Gaumen. Danach kamen wir zum eigentlichen Grund unseres Besuches - zum Braugerstenfeld! Wir konnten einen perfekten Unterschied zwischen dem angrenzenden Weizen einerseits und der reifenden Braugerste andererseits sehen. In der Regel hat Gerste ein gesenktes Haupt und lange Grannen und Weizen ist aufrecht und ohne oder mit kurzen Grannen. Auch beim Braugerstenanbau ist das Wetter oft das Zünglein an der Waage. Langandauerndes feuchtes, warmes Wetter mobilisiert viel Stickstoff im Boden, dies kann die Eiweißgehalte in den Körnern über den Grenzwert steigen lassen, sodass der wichtige niedrige Eiweißgehalt für die Braugerstenqualität nicht erreicht werden kann.

Der Betrieb Schottenobst ist einer von 17 Ackerbaubetrieben in Wien, die im Rahmen eines Projektes der Wiener Landwirtschaftskammer in Kooperation mit der Ottakringer Brauerei seit 2019 Braugerste für das Bier „Wiener Original“ anbauen. Die gedroschene Braugerste wird direkt in die STAMAG (Stadlauer Malz AG) im 22. Bezirk gebracht und dort vermälzt. Beim Mälzen wird die Gerste angefeuchtet, dann beginnt sie zu keimen und anschließend wird sie gedarrt.

Landwirtschaftsbetriebe Stift Schotten
Breitenleer Str. 247, 1220 Wien

Öffnungszeiten Hofladen:
Montag bis Freitag 9-18 Uhr und Samstag 9-13 Uhr

 

https://www.schotten.wien/schottenobst

Fotos: ÖKL

100 Blumen Brauerei, 1230 Wien

 

Bei der Weiterfahrt im Bus ging die Projektleiterin Kornelia Zipper auf das von den Brauereikonzernen Carlsberg und Heineken beantragte umstrittene Patent auf Gerste ein. Welches Gerstenpflanzen aus herkömmlicher Zucht als patentierte Erfindung beansprucht, ebenso wie das daraus erzeugte Bier. Dies wurde leider durch das Europäische Patentamt genehmigt, eine eher schlechte Nachricht für kleine Brauereien, PflanzenzüchterInnen und KonsumentInnen.

Bierbrauen hat in Wien eine lange Tradition, so existierten im Mittelalter 1400 Brauereien im Stadtgebiet. Und so wird auch heute noch aus nur 4 Hauptrohstoffen ein komplexes Getränk gebraut. Ganz nach dem Sprichwort: „Der Brauer macht die Würze, die Hefe macht das Bier“!

Bei der jungen Brauerei in der alten Klavierfabrik wurden wir von der engagierten Mitarbeiterin Teresa sehr herzlich empfangen. Sie schilderte uns lebhaft die Vorgeschichte der 2016 gegründeten 100 Blumen Brauerei. Nach der Matura begaben sich der Gründer Kasper und seine vier Freunde nach England und in andere Länder um unterschiedlichste Biere und Pub-Kulturen kennen zu lernen. Sie begannen in ihren Küchen neben dem Studium selbst Bier zu brauen, und aus dem Hobby wurde Leidenschaft und aus Leidenschaft wurde Berufung. Seit der Brauereigründung 2016 (Bierbrauerei ist ein freies Gewerbe) haben sie bereits 19 verschiedene Biere nach verschiedensten Rezepten erfolgreich gebraut. Sie betreiben die Brauerei zu 5t mit 6 Ausschankleuten. Mittlerweiler teilen sie die Räumlichkeiten und Anlagen der Brauerei mit der Belgier Brewing KG. Ein gelungenes Konzept wie Teresa findet, die selbst einmal ihre eigene Brauerei gründen möchten. Indem sich mehrerer Brauer eine Anlage teilen, wird es gerade für kleine Brauer überhaupt realistisch ihr eigenes Bier zu brauchen und die Brauereien gut auszulasten.

Teresa führte uns ins Malzlager. Die 100 Blumen Brauerei bezieht ihre Basis- und Spezialmalze von der STAMAG. Die vermälzte Gerste gibt dem Bier den Geschmack und wir konnten unterschiedliches Malz kosten. Bei der hochinteressanten Brauereiführung erklärte Sie den Weg der Gerste zum Bier der an Brautagen um 5 Uhr früh beginnt: Vom Schroten des Malzes über das Einmaischen in der Braumaschine, das Läutern im Läuterbottich, vom Kochen der Würze, von der Beigabe des Hopfens (dieser wurde früher zur Haltbarmachung beigesetzt und heute praktisch als „Gewürz“) und von der ober- und untergärigen Hefe bis hin zur Gärung und Abfüllung. Derzeit werden in der 100 Blumen Brauerei 21.000 Liter Bier im Monat gebraut und sie ist mittlerweile nach der Ottakringer Brauerei die zweitgrößte Brauerei in Wien. Das wunderbare Bier gibt es bereits im Lebensmitteleinzelhandel und in vielen Gastronomiebetrieben. Auch wir konnten uns bei der Verkostung von 4 Bieren (1020 Wiener Lager 5,2 %, 1030 Pils 5,3 %, Tropic Zwickl 4,9 %, Zwickl 5,0 %), von dem ausgezeichneten Geschmack überzeugen. Und da es von der Atmosphäre einfach so einladend war, verweilten einige von uns noch bei einer Leberkässemmel von der Fleischerei Leopold Hödl aus Atzgersdorf und dem einen oder anderen Bier in der 100 Blumen Brauerei.

Der schöne Name der Brauerei kommt übrigens von einem chinesischen Sprichwort: „Nicht eine Blume braucht man für einen Frühling sondern 100 Blumen“.

Eine echte Empfehlung! Ausschank bei der Brauerei ist jeden Donnerstag, Freitag und Samstag ab 16 Uhr bis 22 Uhr.

100 Blumen Brauerei GmbH
Endresstraße 18, 1230 Wien

https://www.100blumen.at/

Fotos:  ÖKL