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Exotisch vielfältig
Dialog über Biodiversität,
Pawpaws & Beweidung

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Donnerstag, 15. Oktober 2026

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Was bedeutet Biodiversität eigentlich?  Und welche Rolle spielen Rinder, Haselnussplantagen und Kuhfladen für die Artenvielfalt?

Diesen und vielen weiteren Fragen gehen wir heute  im nordöstlichen Weinviertel auf den Grund. Gemeinsam mit Thomas Labuda vom Biobetrieb Erla Exoten, dem Landschaftsökologen und Biodiversitätsexperten Thomas Zuna-Kratky sowie Markus Ulrich, Betriebsleiter des 11er Hofs, wollen wir unterschiedliche Lebensräume rund um Rabensburg und die March-Thaya-Auen erkunden.

Bereits während der gemeinsamen Busfahrt von Wien-Kagran stimmt uns Thomas Zuna-Kratky auf das Thema ein. Biodiversität umfasst nicht nur die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, sondern auch die genetische Vielfalt sowie das Zusammenspiel unterschiedlicher Lebensräume und Ökosysteme. Wie sehr die Landnutzung diese Vielfalt beeinflusst, wird anhand zahlreicher Beispiele deutlich. Großflächige Mais- oder Weizenfelder bieten zwar manchen Tieren Lebensraum, weisen aber häufig weniger unterschiedliche Lebensbedingungen auf als artenreiche Wiesen. Auch vielfältig strukturierte Weingärten mit Gehölzen, Begrünung und offenen Bodenstellen können wertvolle Lebensräume sein.

Und selbst ausgeräumte Agrarlandschaften sind für manche gefährdete Arten wie Kaiseradler oder Großtrappe wichtig, die offene Landschaften mit weitem Horizont bevorzugen.

Ein zentraler Gedanke begleitet uns: Naturschutz muss sich erklären! Warum bestimmte Maßnahmen notwendig sind und welchen Nutzen sie bringen, muss für Landwirtschaft und Gesellschaft verständlich vermittelt werden.

Auch die globale Perspektive auf Tierhaltung und Ressourcenverbrauch wird diskutiert. Österreich verfügt über viel Grünland, das sich häufig nicht für den direkten Anbau menschlicher Nahrungsmittel eignet. Wiederkäuer können dieses Gras in Lebensmittel umwandeln und bei extensiver Weidehaltung gleichzeitig zum Erhalt artenreicher Kulturlandschaften beitragen.

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Erla Exoten, Rabensburg, 2274

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Unser erster Halt führt uns in die Haselnussanlage des Biobetriebs Erla Exoten, wo uns Thomas Labuda und seine Schwägerin Viktoria herzlich empfangen. Neben exotischen Früchten wie Pawpaws werden hier seit 2018 Haselnüsse angebaut. Die Idee dahinter: Neben einer außergewöhnlichen Frucht auch ein bekanntes und beliebtes Lebensmittel regional produzieren. Schließlich stammt ein Großteil der weltweit gehandelten Haselnüsse aus der Türkei.

Thomas Zuna-Kratky betont gleich zu Beginn, wie wichtig es für die Biodiversität ist, dass landwirtschaftliche Betriebe auch einmal andere Wege gehen und Kulturen anbauen, die in ihrer Umgebung sonst kaum zu finden sind. Denn unterschiedliche Kulturen und Bewirtschaftungsformen schaffen vielfältige Lebensräume und tragen dazu bei, die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft zu fördern. Gerade das bewusste Abweichen von den üblichen Anbauformen kann somit einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität leisten.

Um selbst genauer hinzusehen, erhalten alle Teilnehmenden ein kleines Biodiversitäts-Bingo mit Gewinnspiel.

Bei unserem Rundgang erfahren wir Wissenswertes über Anbau, Vermehrung und Bestäubung der Haselnüsse. Die Pflanzen tragen männliche und weibliche Blüten auf demselben Strauch: Während die männlichen Kätzchen Pollen durch den Wind verbreiten, sind die weiblichen Blüten klein und unscheinbar. Für einen guten Fruchtansatz sind geeignete Befruchtersorten notwendig. Auch tierische Herausforderungen kommen zur Sprache – etwa Spechte, die sich an den Nüssen bedienen. Eine sogenannte Spechtschmiede, in der Nüsse eingeklemmt werden, können wir sogar entdecken.

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Weiter geht es zu einer Dauer-Biodiversitätsfläche, wie sie im Rahmen des österreichischen Agrarumweltprogramms ÖPUL gefördert wird. Solche mehrjährigen Flächen bieten durch ihre vielfältige Vegetation wichtige Nahrungs-, Rückzugs- und Überwinterungsmöglichkeiten für zahlreiche Tiere. Wichtig für Konsument:innen ist auch zu erklären, dass alle landwirtschaftlichen Betriebe, die am ÖPUL teilnehmen, 7 % ihrer Flächen als Biodiversitätsflächen bewirtschaften müssen.

Thomas Zuna-Kratky lädt uns zu einer einfachen Übung ein: drei Schritte in die Fläche hineingehen, eine Pflanze auswählen und auf einem Tuch ablegen.

Was zunächst wie eine trockene Herbstwiese aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als erstaunlich vielfältig. Disteln, Steppensalbei, weißes Labkraut und zahlreiche weitere Pflanzen kommen zum Vorschein. Wir entdecken Spinnen, Heuschrecken, verschiedene Vögel – und sogar ein Reh lässt sich blicken!

Gerade im Herbst sind vermeintlich unordentliche Flächen besonders wertvoll: Samenstände dienen Vögeln als Nahrung, abgestorbene Stängel bieten Insekten Schutz und offene Bodenstellen schaffen Lebensräume für spezialisierte Arten.

Die Erkenntnis: Biodiversität ist nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. 

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Unsere nächste Station führt uns zu den Auwiesen bei Rabensburg, einer ökologisch besonders wertvollen Landschaft. Die March-Thaya-Auen zählen zu den bedeutendsten Feuchtgebieten Mitteleuropas. 

Als sogenannte dynamische Auen werden sie durch wechselnde Wasserstände und regelmäßige Überschwemmungen geprägt. Damit ihre artenreichen Wiesen nicht verbuschen, braucht es neben dieser natürlichen Dynamik eine angepasste Bewirtschaftung, beispielsweise durch Mahd oder Beweidung.

Hier kommt Markus Ulrich vom 11er Hof ins Spiel. Mit seinen Rindern beteiligt er sich an einem Beweidungsprojekt zur Erhaltung dieser wertvollen Auwiesen. Drei Ochsen erwarten uns vor Ort. Durch ihr selektives Grasen und ihre Trittspuren schaffen sie unterschiedlich hohe Vegetationsbereiche, offene Bodenstellen und damit Lebensräume für zahlreiche Pflanzen, Insekten und Vögel.

Ein überraschendes Thema ist die Bedeutung von Rinderdung für die Biodiversität. Kuhfladen sind kleine Ökosysteme! Über 100 sogenannte koprophage Insekten, darunter Dungkäfer, Mistkäfer und verschiedene Fliegenarten, sind auf tierische Ausscheidungen spezialisiert. Sie zersetzen organisches Material, fördern den Nährstoffkreislauf und dienen wiederum Vögeln, Fledermäusen und anderen Tieren als Nahrung. 

So wird nochmals deutlich, wie eng landwirtschaftliche Nutzung und ökologische Kreisläufe miteinander verbunden sind.

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In wunderschöner Sonnenuntergangsstimmung geht es nun zum Betriebsstandort der Erla Exoten, wo wir eine Pawpaw-Anlage besichtigen.

Die Pawpaw, auch Indianerbanane genannt, stammt ursprünglich aus Nordamerika. Ihre Früchte besitzen cremiges, gelbes Fruchtfleisch und erinnern geschmacklich an Banane, Mango, Ananas und Vanille. Trotz ihres exotischen Charakters ist die Pflanze winterhart und gedeiht auch im Weinviertel. Die ersten Pawpaw-Bäume der Erla Exoten stammen aus dem Pflanzjahr 2017.

Für die Ernte müssen die Früchte ausreichend ausreifen und sind anschließend nur kurz haltbar. Bei den Erla Exoten werden Netze gespannt, um herabfallende reife Früchte aufzufangen. Reifen Pawpaws sollten rasch gegessen werden und bleiben selbst gekühlt meist nur ungefähr eine Woche genießbar.

Die Früchte und weiteren Verarbeitungsprodukte werden überwiegend direkt vermarktet und über kurze Vertriebswege, unter anderem an Foodcoops in Wien, geliefert. 

Die Pawpaws stehen zugleich für eine weitere Dimension der Vielfalt: Gerade angesichts steigender Temperaturen und sich verändernder klimatischer Bedingungen kann es sinnvoll sein, neue Kulturen auszuprobieren und zu etablieren. So lässt sich das regionale Lebensmittelangebot erweitern, sowie auch die Vielfalt in der Landwirtschaft fördern. 

Bei Kaffee, Tee und Kuchen lassen wir den Nachmittag mit einer gemeinsamen Gesprächsrunde ausklingen. Einigkeit besteht darüber, dass mehr Biodiversität nicht allein vom Engagement einzelner landwirtschaftlicher Betriebe abhängen darf. Es braucht geeignete politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die biodiversitätsfördernde Maßnahmen ermöglichen und angemessen abgelten.

Ebenso wichtig sind Aufklärung, gegenseitiges Verständnis und der Austausch zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Gesellschaft.

Denn von Biodiversität profitieren wir alle: Artenreiche Lebensräume unterstützen Bestäuber und natürliche Gegenspieler von Schädlingen, fördern gesunde Böden und funktionierende Nährstoffkreisläufe und können Landschaften widerstandsfähiger gegenüber Umweltveränderungen machen und Erholungsräume schaffen. 

Viele artenreiche Lebensräume entstehen und bestehen durch jahrhundertelange Bewirtschaftung und können auch künftig nur durch angepasste Nutzung erhalten bleiben.
 

Zum Abschluss darf natürlich eine Verkostung der köstlichen Pawpaws nicht fehlen. Nach einer kleinen Einkaufsmöglichkeit geht es, müde von den vielen Eindrücken und mit reichlich neuem Wissen im Gepäck, zurück nach Wien.

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass Biodiversität oft dort beginnt, wo wir im Alltag gar nicht so genau hinsehen: zwischen Haselnussbäumen, auf einer herbstlichen Wiese, in beweideten Auen und in einem Kuhfladen.

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Erla Exoten
Othmar-Knoll-Straße 476
2274 Rabensburg
Österreich

www.erla-exoten.at

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Fotos: ÖKL, Teilnehmer:innen 

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© 2018, ÖKL, Afterwork am Bauernhof

Impressum:
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