




Reben voller Leben
Biodiversität im Weingarten
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Freitag, 25. September 2026
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Heute geht es gemeinsam mit dem Biosphärenpark Wienerwald in die Thermenregion. Auf dem Programm stehen zwei Weinbaubetriebe, die 2026 als Top-Weinbaubetriebe des Biosphärenparks Wienerwald ausgezeichnet wurden: der Schaflerhof in Traiskirchen und Wein & Heuriger Pferschy-Seper in Mödling.
Begleitet werden wir von Nina Kovacs vom Biosphärenpark Wienerwald Management. Sie gibt uns Einblicke in die Region, erzählt von der Weinprämierung und erklärt, wie eng Weinbau und Biodiversität miteinander verbunden sind.
Der Biosphärenpark Wienerwald wurde 2005 von der UNESCO anerkannt. Er erstreckt sich vom Tullnerfeld und der Donau im Norden bis ins Triesting- und Gölsental im Süden und fällt im Osten entlang der Thermenlinie zum Wiener Becken ab. Geprägt wird diese vielfältige Kulturlandschaft nicht nur von Wäldern, sondern ebenso von Wiesen, Äckern, Obstflächen und natürlich von Weingärten.
Damit sind wir auch schon bei unserem heutigen Thema: der Biodiversität im Weingarten.
Denn bei der Auszeichnung zum Top-Weinbaubetrieb zählt nicht allein die Qualität der Weine. Voraussetzung ist auch eine nachhaltige Bewirtschaftung. Ausgezeichnet werden jene Betriebe, die diese Kriterien erfüllen und zusätzlich mit mindestens drei ihrer eingereichten Weine überdurchschnittliche Bewertungen erzielen.
Schaflerhof, Traiskirchen, 2514
Am Schaflerhof angekommen, begrüßt uns Andreas Schafler und stellt seinen Betrieb vor, der bereits seit sieben Generationen in Familienbesitz ist. Neben dem Weinbau gibt es ein Thema, für das er mittlerweile weit über den eigenen Betrieb hinaus bekannt ist: Trockensteinmauern.
Sein Interesse daran entstand ganz praktisch aus der Arbeit im Weingarten. Bei Planierarbeiten kamen immer wieder große Steine zum Vorschein, die zunächst einfach beiseitegelegt wurden. Mit der Zeit wuchsen die Haufen – und Andreas begann, Ordnung hineinzubringen. Daraus entwickelte sich zunächst Neugier auf die alte Handwerkstechnik und schließlich eine echte Leidenschaft.
2009 vertiefte er sein Wissen bei einem Trockensteinmauer-Kurs. Seither beschäftigt er sich intensiv mit dieser Bauweise und hat zahlreiche Mauern errichtet. Dafür verwendet er nicht mehr nur Steine aus den eigenen Flächen, sondern sammelt auch geeignetes Material von alten Abbruchgebäuden. Zum Einsatz kommt es unter anderem bei Trockensteinmauer-Kursen, die in seinen Weingärten stattfinden.
Nach einem Besuch im Steinlager machen wir uns auf den Weg in Richtung Weingarten, der gleich entlang des Wiener Wasserleitungswanderwegs liegt. Unterwegs sprechen wir über die Bewirtschaftung der Flächen. Andreas arbeitet naturnah, verzichtet auf Insektizide und Herbizide und düngt unter anderem mit Pferdemist.
Auch die Neuanlage eines Weingartens ist Thema. Reben sind Dauerkulturen und können viele Jahrzehnte an einem Standort stehen. Welche Sorte gepflanzt wird, ist daher eine Entscheidung mit langfristigen Folgen. Welche Rebe passt zum Standort? Wie entwickeln sich Klima und Niederschläge? Und welche Weine werden künftig gefragt sein?
Andreas beobachtet etwa Veränderungen bei der Nachfrage nach Rotwein. Gleichzeitig werden manche Lagen zunehmend heiß und trocken, wodurch sich auch die Eignung bestimmter Rebsorten verändern kann – etwa beim Grünen Veltliner.
Eine andere Sorte schauen wir uns nun genauer an: den Rotgipfler. Seinen Namen verdankt er den rötlichen Triebspitzen und den teilweise ebenfalls rötlich gefärbten Blattadern. Er ist eine natürliche Kreuzung aus Traminer und Rotem Veltliner und zählt heute zu den charakteristischen Spezialitäten der Thermenregion.
Weiter oben im Weingarten erreichen wir schließlich eine besonders lange Trockensteinmauer. Hier zeigt uns Andreas, worauf es beim Bau tatsächlich ankommt. Entscheidend ist nicht nur die Größe der Steine, sondern vor allem, wie gut sie zueinander passen. Ein stabiles Fundament bildet die Basis, die Mauer wird leicht zum Hang hin geneigt, und jeder Stein muss so gesetzt werden, dass er sich mit den umliegenden möglichst gut verzahnt.
Mörtel kommt dabei nicht zum Einsatz. Die Stabilität entsteht allein durch die sorgfältige Auswahl und Anordnung der Steine. Was auf den ersten Blick beinahe zufällig wirken kann, ist also präzise durchdacht. Und dabei kommt einiges an Gewicht zusammen: In einem Quadratmeter sichtbarer Mauerfläche können laut Andreas rund 2,5 Tonnen Stein stecken.
Gerade weil die Zwischenräume offen bleiben, entsteht wertvoller Lebensraum. Zwischen den Steinen finden sich sonnige, warme Plätze ebenso wie tiefe, geschützte Spalten. Für viele Tiere sind Trockensteinmauern daher attraktive Rückzugsorte. Andreas erzählt von Wildbienen und anderen Insekten, aber auch von Mauer- und Smaragdeidechsen sowie Schlingnattern.
Wie Landwirtschaft und Biodiversität konkret ineinandergreifen können, zeigt eine Beobachtung aus seinem Winzeralltag: Kürzlich konnte Andreas eine Eidechse dabei beobachten, wie sie zwischen den Reben kleine Schädlinge jagte. Der Weingarten bietet ihr Lebensraum und Nahrung – und gleichzeitig wird sie selbst zur kleinen Helferin im Ökosystem.
Auf unserem weiteren Weg kommen wir an einer Trockensteinmauer vorbei, die laut Andreas mehr als 250 Jahre alt ist und noch immer steht. Ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie dauerhaft diese Bauweise sein kann.
Zum Abschluss verkosten wir beim Ausschank Weine des Schaflerhofs, stellen noch Fragen und können die eine oder andere Flasche mit nach Hause nehmen.
Danach geht es mit dem Bus weiter Richtung Mödling. Doch auch während der Fahrt setzt sich unsere Biodiversitätserkundung fort. Nina macht uns auf die Vielfalt der Landschaft aufmerksam: Weingärten, Hecken, Böschungen, Trockensteinmauern und Trockenrasen liegen hier oft unmittelbar nebeneinander und bilden gemeinsam eine besonders strukturreiche Kulturlandschaft.
Und genau durch diese Landschaft fahren wir weiter zu unserer zweiten Station.
2514 Traiskirchen
Wein & Heuriger Pferschy-Seper, Mödling, 2340
Hier steigt Magdalena Pferschy-Seper zu uns in den Bus, und gemeinsam fahren wir direkt weiter zu den Weingärten der Familie. Rund acht Hektar Rebfläche gehören zum Betrieb, verteilt auf verschiedene Lagen und bepflanzt mit unterschiedlichen Rebsorten. Einige der ältesten Anlagen sind bereits mehrere Jahrzehnte alt.
Auch die Geschichte des Weinguts ist besonders: Seit fünf Generationen wird der Betrieb maßgeblich von Frauen geprägt. Heute führen Birgit Pferschy-Seper und ihre Töchter Anna und Magdalena diese Tradition gemeinsam weiter. Bereits Anfang der 1990er-Jahre wurde auf biologische Bewirtschaftung umgestellt – damit zählt Pferschy-Seper zu den Bio-Pionierbetrieben der Thermenregion.
Draußen im Weingarten erfahren wir, was biologischer Weinbau in der Praxis bedeutet. Auch hier kommt Pflanzenschutz zum Einsatz – allerdings ausschließlich mit Mitteln, die für den biologischen Anbau zugelassen sind. Viele davon wirken vor allem an der Pflanzenoberfläche. Nach stärkeren Niederschlägen kann es deshalb notwendig sein, erneut durch die Weingärten zu fahren. Gleichzeitig spielen Bodenfruchtbarkeit, Humusaufbau, Begrünung und ein möglichst vielfältiges Ökosystem eine zentrale Rolle.
Bei Pferschy-Seper wird auf Glyphosat verzichtet. Stattdessen wird der Bereich direkt unter den Rebstöcken mechanisch mit einem Stockräumer bearbeitet. Zwischen den Rebzeilen wachsen vielfältige Begrünungsmischungen. Begrünte und bearbeitete beziehungsweise befahrene Reihen wechseln sich ab, sodass sich Bodenbereiche immer wieder regenerieren können und Verdichtungen möglichst gering bleiben.
Zusätzlich wird Kompost ausgebracht, um Humus aufzubauen und das Bodenleben zu fördern. Gerade in trockenen Jahren ist die Fähigkeit des Bodens, Wasser aufzunehmen und zu speichern, besonders wertvoll. Als anschauliche Faustzahl nennt Magdalena: Bereits ein um 1 Prozent höherer Humusgehalt kann die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens um 10 Prozent verbessern.
Die Begrünung zwischen den Rebzeilen bringt auch Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe mit sich. Gleichzeitig kann sie dazu beitragen, dass die Reben tiefer wurzeln. Vor allem ältere Rebstöcke profitieren von gut entwickelten Wurzelsystemen und können Trockenperioden dadurch besser überstehen.
Und alt können nicht nur die Wurzeln, sondern auch die Rebstöcke selbst werden. Bei guter Pflege erreichen sie ein beachtliches Alter. Am Weingut Pferschy-Seper gibt es Anlagen, die bereits viele Jahrzehnte bestehen. Solche alten Weingärten bringen oft etwas weniger Ertrag, sind mit ihren weit entwickelten Wurzelsystemen aber besonders wertvoll – gerade mit Blick auf Trockenheit und zunehmende Wetterextreme.
Magdalena gibt uns außerdem einen Einblick in den Rebschnitt. Geschnitten wird im Winter, wenn die Rebe in der Ruhephase ist. Sie wartet damit bis nach den ersten Frösten, wenn das Laub abgefallen, das Holz ausgereift und ein großer Teil der Reservestoffe in die mehrjährigen Pflanzenteile und Wurzeln eingelagert ist.
An einer jungen Rebe zeigt sie uns, wie aus der kleinen Pflanze Schritt für Schritt der spätere Rebstock aufgebaut wird. Mit dem Schnitt wird gleichzeitig schon festgelegt, wie viele Triebe und damit letztlich auch wie viele Trauben die Pflanze in der kommenden Saison tragen soll.
Natürlich sind Reben auch Krankheiten und Schädlingen ausgesetzt. Ein aktuelles Thema ist etwa die Amerikanische Rebzikade, die in Österreich intensiv überwacht wird. Ein alter Bekannter des Weinbaus ist die Reblaus. Dass europäische Rebsorten heute auf widerstandsfähige Unterlagsreben veredelt werden, ist eine direkte Folge der historischen Reblauskatastrophe.
Bei anderen Schädlingen setzt man auf ganz andere Methoden. Gegen den Traubenwickler können beispielsweise Pheromone eingesetzt werden. Sie stören die Orientierung der männlichen Falter und erschweren dadurch die Paarung.
Eine Besonderheit des Betriebs dürfen wir direkt im Weingarten kennenlernen: entalkoholisierten Wein. Dafür wird zunächst ganz klassisch Wein hergestellt, dem anschließend der Alkohol wieder entzogen wird. Bei Pferschy-Seper geschieht das besonders aromaschonend mittels Vakuumdestillation, derzeit in Deutschland.
Während wir weiter durch die Weingärten gehen, taucht das spätsommerliche Licht die Landschaft in eine besondere Stimmung. Es wird gefragt, diskutiert und immer wieder genauer hingeschaut. Danach geht es zurück zum Weingut, wo uns Birgit Pferschy-Seper bereits erwartet.
Im Verkostungsraum probieren wir weitere Weine und kommen noch einmal auf die alkoholfreien Alternativen zu sprechen. Birgit und Magdalena erzählen, dass die Nachfrage danach wächst – auch in der Gastronomie. Für den Betrieb sind die entalkoholisierten Weine dabei kein Ersatz für klassischen Wein, sondern eine Ergänzung für Menschen, die bewusst weniger oder keinen Alkohol trinken möchten.
Zum gemütlichen Ausklang verkosten wir bei Aufstrichbroten noch einige Weine und erfahren mehr über die Philosophie des Familienbetriebs. Statt jedem Trend zu folgen, setzt man hier auf langfristiges Denken.Dazu gehört auch, alte Weingärten möglichst zu erhalten – selbst wenn sie mitunter weniger Ertrag bringen. Ihre über viele Jahre entwickelten Wurzelsysteme können die Reben widerstandsfähiger machen.
Am Ende des Tages haben wir zwei Betriebe kennengelernt, die auf ganz unterschiedliche Weise zeigen, wie eng Weinbau, Biodiversität und Innovation miteinander verbunden sein können: am Schaflerhof durch Trockensteinmauern, die wertvolle Lebensräume schaffen, und bei Pferschy-Seper durch biologischen Weinbau, vielfältige Begrünung, alte Rebanlagen und zugleich neue Ideen wie entalkoholisierte Weine.
Zwei Betriebe, die – wie Nina schon auf der Hinfahrt so treffend gesagt hat – für ihre Reben leben.
Wein & Heuriger Pferschy-Seper
Friedrich Schiller-Straße 6
2340 Mödling
Fotos: ÖKL, Teilnehmer:innen
Fotos: ÖKL, Teilnehmer:innen



















































